Another Drama, Drama
Neben der Antikenaufarbeitung «Anthropolis», neben der Klassikerpflege und neben postdramatischen Zugriffen verfolgt das Deutsche Schauspielhaus einen dritten, weit weniger beachteten künstlerischen Strang: Immer wieder kommen hier well-made Plays auf die Bühne, die dem Ensemble Gelegenheit geben, darstellerisch aufzudrehen und die konsequent auf tagespolitische Aktualität abzielen.
Das erste Beispiel dieser Spielzeit war Felicia Zellers Gogol-Überschreibung «Die gläserne Stadt» in der Regie von Viktor Bodó, eine bis -sige Satire auf die Hamburg-typische Verbandelung zwischen großem Geld und sozialdemokratischer Politik.
Politische Relevanz, virtuoses Schauspiel und einen Humor, dem man nicht zu nahe tritt, wenn man ihn als krachledern bezeichnet, bietet auch Selina Fillingers Farce «Die Schattenpräsidentinnen oder: Hinter jedem großen Idioten gibt es sieben Frauen, die versuchen, ihn am Leben zu halten». Das Stück ist ein großer Erfolg am Broadway, wo sich ein Publikum, das nie im Leben Donald Trump wählen würde, köstlich über eine Demokratie amüsiert, die einen Präsidenten Trump ermöglicht (und die Gefahr, die hinter solchen politischen Entwicklungen steckt, konsequent ...
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Theater heute Juni 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 11
von Falk Schreiber
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Günther Rühle war es, der sich am meisten für mich nach meinem Tod eingesetzt hat. Ich bin 1948 in Hamburg gestorben, aber er hat viel zu meiner Wiederauferstehung in Deutschland beigetragen. In «Theater für die Republik» im Spiegel der Kritik 1917–1925 und 1926–1933 (1967 und 1988 bei S. Fischer erschienen) schrieb Rühle, sein Ziel sei ein erster Versuch zu...
Würdigen wir bitte zunächst den Spielplanhumor. Letzte Inszenierungen einer Intendanz haben ja oft symbolische Titel, meist irgendetwas mit «Ende» oder «Abschied». Martin Kušej, der eher für Trübsal als Witz bekannte scheidende Direktor des Wiener Burgtheaters, programmiert als finale Premiere ein Stück mit dem Titel «Zentralfriedhof». Das ist so grimmig – wenn ich...
