Blicke ins Offene
Er war ein Mann der Mengen. Als er einmal in seinem geliebten Kochbuch von Paul Bocuse ein Kuchenrezept studierte, das unter anderem 24 Eier verlangte, sagte er zu seiner Tochter, die den Einkauf besorgte, «kauf 32»; als seine Kumpane in der Jugend aus Reisig und Holz die Osterfeuer richte-ten, stapelte er Autoreifen, steckte sie kilometerweit sichtbar in Brand, und auf die Frage, wie viel PS sein Porsche habe, antwortete er «genug».
Mit ihm zu arbeiten, hieß, sich in ein Dickicht von Ideen und Fantasien zu begeben, der bei näherem Hinschauen aber die Möglichkeiten des Textes präzise auffächerte. Seinen Regie-Partnern machte er es leicht, indem sie bei ihm aus dem Vollen wählen konnten. Den Präsentationen seiner Modelle bei den technischen Direktoren und Werkstattleitern folgte stets ein aufgeregter Diskurs um Geld, Zeit und – eben Mengen. Aber beeindruckt waren sie immer, die Herren der Kunstkontrolle an den Stadt- und Staatstheatern – beeindruckt von der Fülle seiner Fantasie –, und am Ende hob sich der Vorhang über ein weiteres Kapitel Wolf Münznerscher Weltsicht.
Seine Bühnenbilder, die nicht selten das Attribut visionär verdienten, sind in keine Kategorie einzuordnen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was im Berlinale-Special läuft, ein buntes Bukett von Historischem, Neuem, gern auch gala-mäßig im Friedrichstadt-Palast, sucht Berlinale-Chef Dieter Kosslick höchstpersönlich aus. Dieser Umstand verspricht eher kulinarisches Kino (eine ganze Reihe unter diesem Titel, mit Abendessen kombiniert, gibt es mittlerweile auch). Auch gelungene Hausmannskost findet hier...
Einen grundsympathischen Parzival hat sich Lukas Bärfuss frei nach Wolfram von Eschenbach da ausgedacht: ein ordentlicher Zivilisations-Bildungsweg in zehn Szenen, der vom Kaspar-Hauser-Schicksal des in der Einöde aufgewachsenen Kindes über diverse Rittergroßtaten zur Gralsherrschaft führt, die man gut protestantisch erst durch Verzicht erreicht.
Einer, der die...
Wuppertal hat ’ne ganz eigenartige Melancholie. Ich bin früher da zur Schule gegangen, hab lange Jahre dort gelebt, glaube, das ist die Stadt mit den meisten Treppen der Welt. Ich liebe die Stadt dafür und für ihre eigenartige Tristesse. Aber wenn man da das Theater wegnimmt, werden selbst diejenigen, die überhaupt nicht ins Theater gehen, es früher oder später...
