Blicke ins Offene
Er war ein Mann der Mengen. Als er einmal in seinem geliebten Kochbuch von Paul Bocuse ein Kuchenrezept studierte, das unter anderem 24 Eier verlangte, sagte er zu seiner Tochter, die den Einkauf besorgte, «kauf 32»; als seine Kumpane in der Jugend aus Reisig und Holz die Osterfeuer richte-ten, stapelte er Autoreifen, steckte sie kilometerweit sichtbar in Brand, und auf die Frage, wie viel PS sein Porsche habe, antwortete er «genug».
Mit ihm zu arbeiten, hieß, sich in ein Dickicht von Ideen und Fantasien zu begeben, der bei näherem Hinschauen aber die Möglichkeiten des Textes präzise auffächerte. Seinen Regie-Partnern machte er es leicht, indem sie bei ihm aus dem Vollen wählen konnten. Den Präsentationen seiner Modelle bei den technischen Direktoren und Werkstattleitern folgte stets ein aufgeregter Diskurs um Geld, Zeit und – eben Mengen. Aber beeindruckt waren sie immer, die Herren der Kunstkontrolle an den Stadt- und Staatstheatern – beeindruckt von der Fülle seiner Fantasie –, und am Ende hob sich der Vorhang über ein weiteres Kapitel Wolf Münznerscher Weltsicht.
Seine Bühnenbilder, die nicht selten das Attribut visionär verdienten, sind in keine Kategorie einzuordnen, ...
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Der Regisseur Volker Lösch ist kein Mann der leisen Töne. Das kann man an der Spur von Skandalen ablesen (Hamburger Millionärsadressen, Dresdner Sabine-Christiansen-Verdammung), die seinen Weg durch den deutschen Theaterbetrieb weist. Und man kann es an der Wortwahl des Regisseurs erkennen, der bei den Proben zu einer «Medea»-Inszenierung in Stuttgart, bei der...
Es ist zum an die Wand springen. Da hat man mal einen vernünftigen Selbstmordgedanken, aber kein brauchbares Hilfsmittel, um ihn umzusetzen. Der adoleszente Alkoholiker Darko ist ein widerwillig Überlebender, der nur manchmal und viel zu kurz die Courage zum Suizid hat, sonst aber gern andere dazu ermutigt. Zum Beispiel Ulrike, die irgendwann vom Hochhaus springt....
Anton Tschechow hätte sich vermutlich 1903 nicht träumen lassen, dass seine Szenen aus dem Landleben verarmender russischer Gutsbesitzer einmal den Lieblings-Bühnenspiegel einer bundesdeutschen Mittelstandsgesellschaft abgeben werden, deren Mitte so langsam der Stand wegbröckelt. Bei allen unübersehbaren Unterschieden gibt es gerade im «Kirschgarten» drei starke...
