Bildet neue Banden!

Toshiki Okada und Nicolas Stemann experimentieren in «No Sex» und August Strindbergs «Der Vater» mit neuen und alten Geschlechterrollen

Theater heute - Logo

Der einzige Ausweg der Männer ist der Weg der Bande», heißt es einmal in August Strindbergs «Der Vater». Eine solche Männerbande stapft auch durch Nicolas Stemanns Inszenierung des Dramas: sieben Kerle mit prächtigen Vollbärten und Holzfällerhemden, die volltönend launiges Liedgut anstimmen wie «Ein Prosit der Gemütlichkeit» und «Olé, wir fahrn in Puff nach Barcelona». Natürlich sind auch Karohemden und Bärte in urbanen Hipster-Kontexten keine Gewähr für unverbrüchliche, heterosexuelle Männlichkeit.

Doch im Vergleich zu der Bande, die in Toshiki Okadas «No Sex» eine Karaoke-Bar betritt, sind die Gartenzwerge der Camerata Vocale überaus eindeutige Testosteronschleudern. 

Die vier Gestalten, die sich in Mr. Matsumotus Etablissement zum Singen und (ein! kleines!) Bier Trinken einfinden, sind laut der Namen ihrer Darsteller Thomas Hauser, Christian Löber, Benjamin Radjaipour und Franz Rogows­ki zwar männlichen Geschlechts. Mit jedem ihrer minimalistischen Kleidungsstücke – plissierter Rock, transparente Bluse, figurbetonter Anzug, gegürtete Kutte –, sorgfältigem Make-up und Frisuren streicht Modedesignerin Tutia Schaad die Androgynie ihrer nach Zierpflanzen benannten Modelle hervor, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Cottbus: Wenn einer eine Reise tut

Es ist eine Art Lackmustest für Jo Fa­bian, der seit dieser Spielzeit neuer Schauspieldirektor in Cottbus ist und das Publikum für seine Art von Theater erst noch gewinnen will und muss. Nach zwei eigenen Regiearbeiten – «Wil­helm Tell» und «Onkel Wanja» –, die sich beide an klassischen Dramentexten orientieren, ruft er nun zum Aufbruch, zur «Terra In Cognita». Ein...

Zeit für Revanche

Manchen Theaterleuten eilt ihr Ruf so weit voraus, dass man meinen möchte, da kommt ein Lebtag keiner mehr hinterher, der den noch einholen und befragen könnte. Andrea Breth und Michael Thalheimer sind von diesem Schlage. Breth mit dem Ruf der Siegelbewahrerin eines feinpsychologischen Schauspielertheaters, die in Demut vor den dramatischen Werken noch in ihre...

Autobiografie: Die Mitterer-Saga

In einem Innsbrucker Linienbus fahren jeden Abend zwei junge Schauspieler zur Arbeit. Der eine spielt in Felix Mitterers «Kein Platz für Idioten» einen behinderten Jungen; die andere gibt die «zruckbliebene» Beppi in «Stallerhof» von Franz Xaver Kroetz. «Zwei Deppen also in einem Bus», erinnert sich Mitterer, selbst einer der beiden Deppen – er war in seinem...