Zeit für Revanche

Eugene O’Neill und Tennessee Williams bei Andrea Breth und Michael Thalheimer: «Eines langen Tages Reise in die Nacht» an der Wiener Burg und «Endstation Sehnsucht» am Berliner Ensemble

Manchen Theaterleuten eilt ihr Ruf so weit voraus, dass man meinen möchte, da kommt ein Lebtag keiner mehr hinterher, der den noch einholen und befragen könnte. Andrea Breth und Michael Thalheimer sind von diesem Schlage. Breth mit dem Ruf der Siegelbewahrerin eines feinpsychologischen Schauspielertheaters, die in Demut vor den dramatischen Werken noch in ihre letzten Verästelungen hineinfühlt und dabei nichts mehr hasst, als irgendetwas an ihnen zu beschneiden.

Und Thalheimer, der Wuchtregisseur mit der großen Heckenschere, der Werke an Wurzel und Stamm zu packen weiß, der ihre Figurenverhältnisse auf existenzielle, archaische Dynamiken zurückführt, weshalb noch das rotzigste Sozialdrama bei ihm ausschaut, als handele es sich um zeitlose antike Dramatik. Wenn diese beiden nun in Wien und Berlin nach Klassikern des amerikanischen psychologischen Realismus von Eugene O’Neill und Tennessee Williams greifen, dann müsste das bei der einen ein lockeres Heimspiel werden, während es für den anderen ein Probierstein der härteren Sorte ist. Eigentlich.

Und dann das. In ein toxisches See-Idyll, das schwer nach Mondlandschaft aussieht, versetzt Andrea Breth im Wiener Burgtheater O’Neills ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 25
von Christian Rakow

Weitere Beiträge
Bis einer heult

I was so furious, I didn’t fall asleep», sagt die Frau hinter mir am Schluss der Show: Ich war so zornig, dass ich nicht einschlafen konnte. Natürlich ist es anders gemeint, dennoch klingt es – wie ein Kompliment. Wo etwas zu ärgerlich zum Einschlafen ist, da ist etwas passiert. Anselm Weber, seit Beginn dieser Spielzeit Intendant des Schauspiel Frankfurt, und...

Münster: Der Reichsbürger in uns

Die sogenannten Reichsbürger, verrannt in eine abstruse Parallelrealität, die ihre proklamierte Staatenlosigkeit mit Waffengewalt verteidigen, tragen jene Züge von Maßlosigkeit, Narzissmus, Grö­ßenwahn, der großen Theaterfiguren innewohnt. Konstantin Küspert und Ko-Autorin Annalena Küspert mussten nicht weit suchen, um Stoff für ihre Auftragsarbeit zu generieren:...

Die Tintenfisch-Sexorgie

Ihr erreicht nichts, weil Ihr Euch gar nicht anstrengt», beschimpft Angélica Liddell das Publikum. «Selbstzufrieden macht Ihr andere verantwortlich für Eeure Unzulänglichkeit, Euer Scheitern. Mittelklasse der Schande und des Neids, sparsam, fleißig und familienorientiert. Ehrliche Leute ... je vorbildlicher Euer Leben ist, desto verdorbener werdet Ihr durch...