Cottbus: Wenn einer eine Reise tut

Jo Fabian «Terra In Cognita» (U)

Theater heute - Logo

Es ist eine Art Lackmustest für Jo Fa­bian, der seit dieser Spielzeit neuer Schauspieldirektor in Cottbus ist und das Publikum für seine Art von Theater erst noch gewinnen will und muss. Nach zwei eigenen Regiearbeiten – «Wil­helm Tell» und «Onkel Wanja» –, die sich beide an klassischen Dramentexten orientieren, ruft er nun zum Aufbruch, zur «Terra In Cognita».

Ein mehrdeutiger Titel, der zwischen Utopiehoffnung, Postkolonialismus und eben der Cottbuser Situation bedeutungsschwer herumschillert, zumal der Abend zugleich auch noch als choreografisches Figurentheater und Triptychon angekündigt ist. Entsprechend gliedert sich die Inszenierung denn auch in einen bildhaft-rhythmischen Prolog, ein dreigeteiltes Wimmelbild im Hauptteil und eine Trommelperformance als Abschluss. Dazu gibt es in den beiden Pausen Beuys-Textperformances vom Band.

Gleich zu Beginn lässt Fabian unter den unbarmherzigen Paukenschlägen von Jörg Trost acht Ruder aus den Wänden kommen. Die Sklaverei als Ausgangspunkt, Kraft durch Menschenkraft und ein blutrotes Bühnenbild, in dem in strenger Synchronität die nicht sichtbaren Ruderer ihre Zwangsarbeit vollbringen und die Geschichte voranschreiten lassen. Erst zwei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2018
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Zeit für Revanche

Manchen Theaterleuten eilt ihr Ruf so weit voraus, dass man meinen möchte, da kommt ein Lebtag keiner mehr hinterher, der den noch einholen und befragen könnte. Andrea Breth und Michael Thalheimer sind von diesem Schlage. Breth mit dem Ruf der Siegelbewahrerin eines feinpsychologischen Schauspielertheaters, die in Demut vor den dramatischen Werken noch in ihre...

Köln: Puppentod

Gott ist klein, und Woody Allen ist sein Mörder. Aber eigentlich geht es nicht um Religion, sondern um eine Bühnenkonvention. Der «deus ex machina» verunglückt am Ende der Komödie «Gott». Es geht um Fiktion, um die Verabredung, dass die Bühne nicht die Wirklichkeit ist – und diese Konvention ist nicht umzubringen. 

Es hat viele Vorteile, Woody Allens überdrehte...

Material für Baumeister? Oder autonome Künstler?

Silvia Stammen Sie stehen nun beide seit fast 20 Jahren meist im festen Engagement auf der Bühne. Hat sich in dieser Spanne viel an den Produk­tionsprozessen und am Berufsbild Schauspielerin verändert?

Wiebke Puls Da hat sich massiv was geändert.

Katja Bürkle Grundsätzlich werden Produktionszeiträume und Probenzeiten kürzer. Vor zehn Jahren hätte ich gesagt, man...