Aufführungen

Verhandelt Antigone den Konflikt zwischen Individuum und Mehrheit oder eher das Paradox der Menschwerdung durch die Entscheidung zu sterben? Inszeniert man die antike Tragödie lieber mit popmusikalischer Livebegleitung und reiner Männerbesetzung oder als Sequel des «Ödipus» mit gemischtem Ensemble?

Zwei «Antigone»-Varianten zweier Vertreter verschiedener Generationen und Geschlechts stehen diesen Monat am Start: Friederike Heller inszeniert an der Berliner Schaubühne, Dimiter Gotscheff am Hamburger Thalia Theater. Im Centraltheater Leipzig steigt Sebastian Hartmann mal wieder in Frank Castorfs mythische Fußstapfen und inszeniert Laufs/Jacobys Schwank «Pension Schöller». Beiträge zum Kleistjahr leisten Armin Petras am Staatsschauspiel Dresden («Das Erdbeben von Chili») und Dieter Dorn am Münchner Residenztheater («Käthchen von Heilbronn»).

Nach dem Erfolg ihres «Wunschkonzerts» setzt Katie Mitchell ihre Arbeit am Schauspiel Köln mit Virginia Woolfs «Die Wellen» fort. Dokutheatermacher Hans-Werner Kroesinger gründet am Schauspiel Hannover das «Unternehmen Hunger». An der Wiener Burg reiht Andrea Breth Prosaminiaturen von Daniil Charms, Georges Courteline und Pierre Henri Cami zu «Zwischenfällen» aneinander, für die zehn Darsteller 90 Rollen übernehmen.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2011
Rubrik: Service, Seite 56
von

Weitere Beiträge
Psychologie auf Umwegen

Nahe am Bühnenrand, nahe am Abgrund stehen sie, diese beiden Verlorenen, ein Mann und eine Frau. Sie krallen sich aneinander, halten sich zugleich auf Distanz. Es ist spät, Mitch, der bullige, harmlos-hoffnungsvolle Kerl mit der bemüht trendigen Rockabilly-Schmalzlocke, und Blanche, dieses zerbrechliche, fast schon zerbrochene Wesen, sprechen im Halbdunkel die...

Der Welterfindungsbau

Selbst sehr alte Hasen kommen aus dem Staunen nicht heraus. Und die Theater­macher selber wähnen sich schon mittendrin im «milagre», im «Wunder» von Sao Paulo – das «Teatro Oficina», die freie Gruppe um den charismatischen Regisseur Zé Celso Martinez Corréa, in Deutschland bekannt seit den Gastspielen 2004 bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen und 2005 in der...

We are family

Im Programmheft zu Sibylle Bergs neuestem Beitrag zur Zersetzung bürgerlicher Fassaden bemüht die Bonner Dramaturgie den wertekonservativen Verfassungsrichter Udo di Fabio als entschlossene Gegenstimme: «Die Familie», behauptet er eisern, «ist eine Lebensform des Menschen, ein sozialer Raum der Nähe, von dem aus der Zivilisationsprozess immer wieder erneut seinen...