Am Seerosenteichrand
Zu Ingrids Geburtstag gibt’s gute Laune, ein Gedicht und einen Shopping-Gutschein in London. Zum Frühstück Schnaps und Kuchen und einen Überraschungsbesuch vom «verliebten Major». Ingrid (Rosa Thormeyer), das ist eigentlich Irina, die jüngste der drei Tschechowschen Schwestern. Ortrud (Oda Thormeyer) und Mechthild (Cathé-rine Seifert) heißen die beiden älteren, statt Olga und Mascha; ihr Bruder Andrej: Alfi.
Anne Lenk hat gemeinsam mit der Dramaturgin Susanne Meister eine eigene «Drei Schwestern»-Fassung erstellt.
Nice und gechillt gibt es neue Namen für alle Figuren und eine gute Dosis Spaßtempo für (fast) alle Szenen. Da wird schneller gesprochen als gedacht, da wird kein Fauxpas ausgespart, da wird im Nahkampf gelästert und herrlich laut gejammert. Schließlich ist das Leben der «Drei Schwestern» auch in dieser überarbeiteten Version eigentlich schrecklich langweilig. Ist ein einziges Sehnen nach Glück, das sich bekanntlich nicht einstellt, ein einziges Sehnen nach Liebe, die bekanntlich ungelebt bleibt, und ein einziges Sehnen nach einem anderen, besseren Ort. «Nach Moskau» jedoch sehnt sich hier gegenwärtig keine:r, vielmehr «nach Hause» und das so schnell wie möglich. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Katrin Ullmann
Gemeinsam arbeiten konnten wir eigentlich nur in London.» Einat Weizman spricht bedrohlich ruhig auf der Bühne des Hebrew-Arabic Theater in Jaffa. Sie blickt zu ihrem arabischen Counterpart Issa Amru, der aber nicht selbst hier stehen kann, sondern durch einen Schauspieler verkörpert werden muss. Der palästinensische Menschenrechtler sitzt an diesem Abend...
Der alte weiße Mann dankt ab. Allerdings nicht so richtig: Das zentrale Problem in Shakespeares «König Lear» ist, dass der Titelheld zwar die Macht an seine Töchter weitergibt, dabei aber nicht wirklich die Zügel aus der Hand geben will. Kurz versteinern die Gesichtszüge der Töchter Goneril und Regan, als der scheidende Herrscher ausführt, wie er sich seinen...
Am 23. April dieses Jahres ist der Berliner Theaterwissenschaftler Joachim Fiebach im Alter von 88 Jahren gestorben. Von 1995 bis 1998 habe ich bei ihm studiert, danach haben sich unsere Wege nur noch sporadisch gekreuzt. Angesichts seiner mehr als ein halbes Jahrhundert umspannenden akademischen Karriere und einer noch viel länger währenden Beschäftigung mit dem...
