Mit dem Rücken zur Wand
Gemeinsam arbeiten konnten wir eigentlich nur in London.» Einat Weizman spricht bedrohlich ruhig auf der Bühne des Hebrew-Arabic Theater in Jaffa. Sie blickt zu ihrem arabischen Counterpart Issa Amru, der aber nicht selbst hier stehen kann, sondern durch einen Schauspieler verkörpert werden muss. Der palästinensische Menschenrechtler sitzt an diesem Abend vermutlich in seinem Haus in Hebron. Sie ist Regisseurin, Schauspielerin und Autorin, die sich israelisch-palästinensischem Dokumentartheater verschrieben hat.
Hier im alten historischen Stadtkern zwischen ottomanischen Mauern und dem großen Dauerflohmarkt vor den Toren des von Jahr zu Jahr mehr stahlglasglitzernden Tel Aviv gibt es diese kleine Oase jüdisch-muslimischen Zusammenkommens. Wobei der Name des Theaters genau dieses Label zu vermeiden versucht und die Sprachen, nicht die Kulturen, und schon gar nicht die Religionen in den Fokus stellt. Doch natürlich liegt der politische Anspruch auf der Hand, das Ansinnen nach Dialog, die Hoffnung auf gegenseitige Empathie in einem Konflikt, der in den letzten Jahren mehr und mehr verhärtete Fronten hervorgebracht hat.
Die Wahl der neuen Regierung mit dem von Korruptionsskandalen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2023
Rubrik: International, Seite 44
von Torben Ibs
Der Starez Sossima, der heilige Mönch, liegt halb erhöht im offenen Sarg wie Holbeins Christus, ausgestellt als Wundertäter, und stinkt. Statt des erwarteten Wunders ereignet sich Fäulnis, und in einer grotesken Choreografie versuchen die Trauergäste und Jünger, mit angehaltenem Atem dem Kadaver gegenüber Haltung zu bewahren. Noch ein paar würdevolle Worte, bis...
WWW.ARTE.TV
bis 28.8., Nino Haratischwili: «Georgien hat mich nie verlassen»
Dokumentation, Deutschland 2022 Regisseurin Eva Gerberding hat Nino Haratischwili nach Tiflis begleitet. Die Dokumentation taucht mit Archivmaterial, Interviews und kleinen Spielszenen ein in das Georgien der 1990er Jahre.
bis 15.7., Bilder (m)einer Mutter
Der Dokumentarfilm ist...
Am Ende also Elton John. Ganz große Gefühle, intoniert vom soften Flehen der siebziger Jahre. Kinderstimmen lachen im Hintergrund der Tonaufnahme, dazwischen: Vogelgezwitscher, Wellenrauschen. Kurz denkt man, jetzt havariert der Abend unrettbar an riesigen Kitschklippen, jetzt wird er gnadenlos gefühlig, haltlos tränenrührig. Nach zweieinhalb Stunden also Elton...
