Am eigenen Leib
«Entschuldigen Sie, ich habe Sie nicht gesehen», was für ein harmloser Satz. Giulia, in bewährter Sprödigkeit von Corinna Harfouch verkörpert, entschuldigt sich auf diese Weise bei einer älteren Frau dafür, dass sie ihr nicht gleich den Platz freigeräumt hat. Doch als Antwort bekommt sie etwas zu hören, dass diesem Satz gewissermaßen die Unschuld raubt. «Ich weiß schon, wir Älteren sind unsichtbar.» Mit einem freundlichem, gelassenen Lachen sagt das die Grauhaarige, die wir später als Lili (Renate Becker) kennenlernen.
Bei Giulia aber löst die Antwort eine Verstörung aus, als sei sie beleidigt worden. Ihr Gesicht signalisiert, dass sie sich wehren will gegen dieses vereinnahmende≥«wir Älteren», und doch weiß der Zuschauer, dass sie es unmittelbar vorher am eigenen Leib erfahren hat: die Unsichtbarkeit, die das zunehmende Alter mit sich bringt. Giulia nämlich, das enthüllt der Film mit etwas angestrengt kunstvoller Verzögerung, wird an diesem Tag 50. Im Bus sitzt sie, weil sie auf dem Weg ist in ein Restaurant, wo schon eine Gruppe von Freunden auf sie wartet, die mit ihr feiern will. Doch das Erlebnis der «Unsichtbarkeit» scheint bei Giulia einen bereits vorhandenen Impuls zu ...
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