Alles wagen
Hatten seit Beginn der Intendanz von Shermin Langhoff jemals zwei Schauspielerinnen, weiß wie Schneeflocken, die Bühne für sich allein, begleitet nur von einem ebenfalls weißen Harfenisten? Das Team um die erstmals am Maxim Gorki Theater inszenierende Regisseurin Leonie Böhm hat den Bruch mit der postmigrantischen Normalität am Haus dick unterstrichen: Svenja Liesau und Julia Riedler tragen weiße Jogginghosen, Shirts und Sneakers, weiße Schminke um Augen und Nasen, während hinter ihnen ihre Konterfeis noch einmal als Foto auf bühnenfüllendes Tuch projiziert sind: Gesichter komplet
t gewhitefacet, die Haare mit weißer Farbe nach hinten gekämmt. Ein Weiß, das aber auch über Hautfarbe hinausgeht, die Performerinnen in Clownsfiguren jenseits von Class, Race und Gender verwandelt.
Leonie Böhm, die zuletzt meist kanonische Dramen wie Schillers «Räuber», Tschechows «Schwestern» oder den antiken Medea-Stoff zum Anlass nahm, um darin verhandelte Konflikte in eine Situation extremer Offenheit zu übersetzen, interessiert sich diesmal für Henrik Ibsens «Nora» – von der allerdings kaum mehr übrig bleibt als der um zehn Lettern gestreckte Titel. Denn Ibsens dramatische Verwicklungen um ...
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Theater heute November 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Eva Behrendt
Noch bevor es richtig losgeht, besteht erhöhter Aktualisierungsbedarf. Sophie Stockinger, später die Darstellerin des jungen Revolutionärs Pawel, entert die Bühne und zitiert feurig einen Aufsatz zur Arbeiterklasse und Arbeiterbewegung im 21. Jahrhundert aus einer 2003 erschienenen Nummer von «Z – Zeitschrift für marxistische Erneuerung». Darin wird Marx zwar sanft...
Franz Wille Ab 2022 sind Sie der neue Intendant der Berliner Festspiele. Gratulation – denn es ist ja einer der Leuchtturm-Jobs im deutschen und vor allem Berliner Kulturbetrieb! Womit haben Sie denn die Findungskommission und die zuständige Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters, überzeugt?
Matthias Pees Da kann ich nur mutmaßen. Ich bin am Frankfurter...
Der Hauptbahnhof Gelsenkirchen ist deprimierend. Überquellende Mülleimer, Geruch von altem Dö -ner, auf zwei Ebenen irgendwelche Shops, tätowiert herumstehende junge Männer. Und dann hat man das gelbe Schild mit dem QR-Code doch noch gefunden, steigt aufs selbst mitgebrachte Fahrrad und folgt den Pfeilen, die an Laternenpfählen oder Zäunen angebracht sind. Und...
