Aggressive Entschleunigung
Es tut mir leid, ich bin zu müde, um die Performance heute Nacht zu spielen. Ich habe dafür keine Energie mehr», sagt Tim Etchells einmal.
Und kurz merkt man am Bildschirm auf: Hallo, was ist das? Streckt der jetzt die Waffen und wirft hin? Die Online-Performance hatte sich bis zu diesem Moment in einer erlesenen Schluffigkeit präsentiert: Etchells hockt vor seinem Bücherregal in einem abgetragenen Nullachtfünfzehn-Shirt – «a real lockdown special», wie er sagt – , seine Navigation stockt immer wieder, manche Datei öffnet sich erst nach mehreren Versuchen, was Etchells in dahindämmernder Seelenruhe erträgt. «Es tut mir leid, ich bin zu müde für diese Performance», scheint wie gemacht für den Moment. Aber es ist doch «nur» ein Tagebucheintrag aus vergangenen Tagen, den Etchells jetzt per Suchbefehl aus seinem Rechner ausspielt und verliest, in einem längeren Katalog von Schnipseln und Sentenzen zum Stichwort «Nacht».
Zurück auf den Kutschbock
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Christian Rakow
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