Agenda: Türen öffnen
TH Wie zuletzt einige Theaterkollektive, die sich noch während ihres Gießener Studiums der Angewandten Theaterwissenschaft gegründet haben, feiert auch Rimini Protokoll dieses Jahr 20. Geburtstag. Von Gruppen wie Gob Squad oder She She Pop unterscheiden Sie sich auch dadurch, dass Sie in wechselnden Konstellationen miteinander arbeiten und «Rimini Protokoll» eher als Label dient.
Wie kam es zu dieser Namensgebung? Stimmt es, dass Sie um ein Haar «Herforder Quittung» geheißen hätten?
Stefan Kaegi Zuerst hießen wir einfach Haug/Kaegi/Wetzel, dann ganz kurz Haug/Kaegi/Ernst/Wetzel. Das war zu kompliziert für die Theater, es musste einfach ein Label her. Und da wir alle drei eigentlich Experten des Verschwindens sind – jedenfalls was die Exponiertheit auf der Bühne angeht, – war es uns auch ganz recht, unsere Eigennamen aus dem Spiel zu nehmen.
Helgard Haug Wobei die jeweilige Autorenschaft auch immer benannt wird. Wir verschwinden nicht völlig hinter dem Label, aber es gab das Bedürfnis nach einer gemeinsamen Dachkonstruktion, unter der sich dann verschiedene Konstellationen, Autorenschaften und Formate versammeln lassen. Die haben auch immer etwas miteinander zu tun, auch wenn ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: Gespräch Rimini Protokoll, Seite 4
von Eva Behrendt und Franz Wille
Was für eine Saison, die an aufregenden, mutigen, wichtigen Theatertexten geradezu überquillt! Unter einigen Verlustqualen hat die Jury der Mülheimer Theatertage acht ausgewählt, in denen es um so Grundlegendes wie Frauen, Männer, Vögel, Familie, Deutschland, künstliche Intelligenz, Freiheit der Kunst und das Finanzamt geht:
Sivan Ben Yishai «LIEBE/Eine...
Vergangenen Oktober, anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der friedlichen Revolution, erzählte Alexander Weigel noch einmal, wie es zur legendären «Hamlet/Maschine» von Heiner Müller im Deutschen Theater kam, die er als Dramaturg begleitet hatte. Wie die im Januar 1988 herausgekommene Inszenierung «Der Lohndrücker» zwar das «Publikum einigermaßen frappiert» hatte...
Es ist nicht wichtig, der Stärkere zu sein, sondern der Lebendige», heißt es in Brechts wildem Frühwerk «Im Dickicht der Städte» (uraufgeführt im Mai 1923 am Münchner Residenztheater), nachdem bereits zehn Runden lang ein Kampf ohne Grund und Gnade zwischen zwei Männern ausgetragen wurde, die nichts verbindet als eine seltsame Sucht, «Fühlung zu bekommen» mit sich...
