Zwischen Community und Kommerz
Die Cheche Gallery auf dem Gelände des Nationaltheaters platzt aus allen Nähten. Immer neue Zuschauer:innen kommen herein, setzen sich auf und neben die Hocker, die locker um eine frei stehende Badewanne und einen mit Büchern und Manuskripten überwucherten Schreibtisch gruppiert sind. Zwischen all den Menschen kniet eine leise wimmernde junge Frau, rutscht wie in Trance über den Boden, noch bevor Fred Mbogos «The dying needs no shoes» beginnt, eine Eigenproduktion des Kenya International Theater (KIT-)Festivals in Nairobi.
In der Rolle der Purity versucht Ann Kiveli sich in den folgenden anderthalb Stunden aus den Fängen ihres Vaters zu befreien – einer monströsen Figur, die bei Emmanuel Shikuku mit fanatischer Sturheit predigt und peinigt. Nach und nach stellt sich heraus, dass der ausgerechnet Todes- und Trauerkulte beforschende Professor seine Tochter von Kindheit an missbraucht und mit Drogen sediert hat und sie nun zum Selbstmord verführen will.
Das klingt drastisch und ist auch tatsächlich schwer erträglich. Dennoch entwickelt Mbogos gut 15 Jahre altes Drama in Alacoque Ntomes Neuinszenierung eine fesselnde, mitunter irritierend brutale Dynamik. Denn Ann Kivelis zierliche ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: International, Seite 46
von Eva Behrendt
Shakespeares Königsdramen mögen nicht gerade auf die Analyse demokratischer Systeme ausgelegt sein, aber sie zeigen sehr genau die Verwerfungen an den Bruchkanten der Macht, da, wo es knirscht, wenn nicht von vorneherein feststeht, welche räuberische Strategie aufgeht und welche illegitime Linie sich fort- und festsetzt. Kein schlechtes Modell also doch, um sich...
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