Zwischen Community und Kommerz
Die Cheche Gallery auf dem Gelände des Nationaltheaters platzt aus allen Nähten. Immer neue Zuschauer:innen kommen herein, setzen sich auf und neben die Hocker, die locker um eine frei stehende Badewanne und einen mit Büchern und Manuskripten überwucherten Schreibtisch gruppiert sind. Zwischen all den Menschen kniet eine leise wimmernde junge Frau, rutscht wie in Trance über den Boden, noch bevor Fred Mbogos «The dying needs no shoes» beginnt, eine Eigenproduktion des Kenya International Theater (KIT-)Festivals in Nairobi.
In der Rolle der Purity versucht Ann Kiveli sich in den folgenden anderthalb Stunden aus den Fängen ihres Vaters zu befreien – einer monströsen Figur, die bei Emmanuel Shikuku mit fanatischer Sturheit predigt und peinigt. Nach und nach stellt sich heraus, dass der ausgerechnet Todes- und Trauerkulte beforschende Professor seine Tochter von Kindheit an missbraucht und mit Drogen sediert hat und sie nun zum Selbstmord verführen will.
Das klingt drastisch und ist auch tatsächlich schwer erträglich. Dennoch entwickelt Mbogos gut 15 Jahre altes Drama in Alacoque Ntomes Neuinszenierung eine fesselnde, mitunter irritierend brutale Dynamik. Denn Ann Kivelis zierliche ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: International, Seite 46
von Eva Behrendt
Als Otto Schenk am 9. Jänner dieses Jahres starb, haben die österreichischen Fernsehanstalten umgehend ihre Programme geändert. Neben Sondersendungen konnte man über eine Woche lang in alten Komödien, Spielfilmen, Sketches und satirischen Gesprächsformaten Abschied nehmen von diesem Schauspieler, der voll und ganz dem Phänomen des Publikumslieblings entsprach. Auf...
Sandrine Zenner flitzt über die Bühne und stößt im Stakkato Zahlenkolonnen hervor. Über wie viel Geld deutsche Millionäre verfügen (über 3,2 Billionen Euro), wie viel Vermögen die reichsten 226 Deutschen haben (15-mal so viel wie die unteren 40 Millionen zusammen) und wie viele Millionäre es hierzulande gibt (mehr als Japan, Frankreich und Großbritannien zusammen)....
Auf dem dunklen Gold der Bühne von Christin Treunert liegt Patina. Die (beweglichen) Wände wirken wie ein vergilbter Spiegelsaal mit jetzt stumpfen, angelaufenen Flächen. Vom Schnürboden schweben wahlweise Kronleuchter oder Discokugeln herab, doch alles liegt wie unter Mehltau. Ein wenig schwülstig, aber zugleich mit postapokalyptischer Lost-Place-Anmutung. Das...
