Zwei Keller voller Leichen
Ob er das Erdbeben nicht bemerkt hätte: «Die Erde schwankte etwas …», sagt Monika. Aber Gerd hat natürlich wieder einmal gar nichts mitbekommen. Sein Seismograf schlägt weder bei Naturkatastrophen aus, noch registriert dieser glatte Geschäftsmann Verwerfungen in seiner Beziehung. Also glotzt er nur blöd, pflanzt sich auf das Sofa und wartet erst einmal ab, was da noch alles auf ihn herein- oder unter seinen Füßen wegbrechen wird.
Eine Stunde später wissen wir, dass die Familie zwar die Keimzelle der Gesellschaft ist, aber auch, dass da eine ganze Menge fauler Eier ausgebrütet werden.
In Jan Deckers Stück «Rückenschwimmer», das am Nürnberger Staatsschauspiel in der Regie von Cordula Jung uraufgeführt wurde, kommen sich zwei Menschen so gefährlich nahe, dass es weh tut. Monika und Gerd leben zwar zusammen, aber sie müssen getrennte Keller haben. Denn keiner weiß etwas von den Leichen, die der jeweils andere da unten vergraben hat. Warum sie gerade an diesem Abend, an dem der Mann nach einem erfolgreichen Geschäftsabschluss beschwingt nach Hause kommt, ausgebuddelt werden müssen, ist nicht ganz klar. Aber am Ende liegen die Lügen, Heimlichkeiten, der Hass und die Selbsttäuschungen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Christian Petzolds Filmen wird wenig gesprochen und viel gezeigt: Gesichtslose Stadt- und Landschaftsräume in Wolfsburg oder Jerichow, Durchgangsstationen einer unwirtlichen Moderne, durch die sich Menschen wie Zombies einer entfremdeten Gegenwart bewegen. Gespensterreiche, aufgeladen mit den sprechenden Requisiten einer gleichgeschalteten Konsumwelt. Im...
Als im vergangenen November das vormals völlig danieder liegende Kieztheater Ballhaus Naunynstraße neu eröffnet wurde, war den Machern ziemlich bang. Die frisch gebackene Theaterdirektorin Shermin Langhoff wollte sich angesichts eines Etats von 240.000 Euro lieber gar nicht Direktorin nennen. Wir sind ein Theater in der «dritten Reihe», betonte sie. Das Ballhaus...
Schon lange fällt auf, dass in der aktuellen Stückeproduktion geschichtliche Zusammenhänge zumeist ausgeblendet werden und der Problemfall «Familie» in der Regel als kurzatmiges Close-up inklusive einer obligatorischen Prise Inzest verhandelt wird.
Marius von Mayenburg dagegen kümmert sich um eine die Generationen übergreifende und das Leben einer Familie...
