Zwei Keller voller Leichen
Ob er das Erdbeben nicht bemerkt hätte: «Die Erde schwankte etwas …», sagt Monika. Aber Gerd hat natürlich wieder einmal gar nichts mitbekommen. Sein Seismograf schlägt weder bei Naturkatastrophen aus, noch registriert dieser glatte Geschäftsmann Verwerfungen in seiner Beziehung. Also glotzt er nur blöd, pflanzt sich auf das Sofa und wartet erst einmal ab, was da noch alles auf ihn herein- oder unter seinen Füßen wegbrechen wird.
Eine Stunde später wissen wir, dass die Familie zwar die Keimzelle der Gesellschaft ist, aber auch, dass da eine ganze Menge fauler Eier ausgebrütet werden.
In Jan Deckers Stück «Rückenschwimmer», das am Nürnberger Staatsschauspiel in der Regie von Cordula Jung uraufgeführt wurde, kommen sich zwei Menschen so gefährlich nahe, dass es weh tut. Monika und Gerd leben zwar zusammen, aber sie müssen getrennte Keller haben. Denn keiner weiß etwas von den Leichen, die der jeweils andere da unten vergraben hat. Warum sie gerade an diesem Abend, an dem der Mann nach einem erfolgreichen Geschäftsabschluss beschwingt nach Hause kommt, ausgebuddelt werden müssen, ist nicht ganz klar. Aber am Ende liegen die Lügen, Heimlichkeiten, der Hass und die Selbsttäuschungen ...
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Auch hier regiert ein Gott des Gemetzels. Diese Menschen sind von allen guten Geistern verlassen. Was für gewöhnlich hinter gesellschaftlichen Verabredungen und guten Sitten verborgen liegt, tritt krass zu Tage. Karin Beier spannt «Das Goldene Vlies» in den Rahmen einer Alltagsgeschichte – einer ungeheuren: Kolchis und Korinth als Metapher, Schauplätze für...
Schon lange fällt auf, dass in der aktuellen Stückeproduktion geschichtliche Zusammenhänge zumeist ausgeblendet werden und der Problemfall «Familie» in der Regel als kurzatmiges Close-up inklusive einer obligatorischen Prise Inzest verhandelt wird.
Marius von Mayenburg dagegen kümmert sich um eine die Generationen übergreifende und das Leben einer Familie...
O Gott, wenn die mich jetzt erschießen …» Es war Todesangst, die Heidelore Rutz packte, als man sie am 30. Juli 1975 nach einer Demonstration von Ausreisewilligen in Jena verhaftete und in den Keller einer Stasi-Station warf. Was folgte, waren die Qualen der Verhöre, der Angst, Ungewissheit, Gewalt; dann ein Prozess und jahrelanger Knast mit Schwerstarbeit im...
