Der andere Blick
Eines der größeren Missverständnisse seiner Bücher hat Hans-Thies Lehmann selbst nicht aus der Welt schaffen können. Trotz seiner wiederholten Bekräftigung ging es im «Postdramatischen Theater» (1999) nicht um eine neue Dramentheorie, es ging auch nicht um die Ab -schaffung des Dramas, sondern es ging ihm um eine weiter greifende Theaterästhetik; er hatte auch nichts gegen das Sprechtheater, schließlich wird in kaum einem (post-)dramatischen Lebenswerk so viel ge -redet wie in den Bühnentexten von Lehmanns treuem Schüler René Pollesch.
Lehmann hatte aber sehr wohl sehr viel gegen den Alleinvertretungsanspruch eines literarischen Repräsentationstheaters, das im deutschen Stadt- und Staatstheater mit seinem Repertoire- und Ensemblesystem bis in die 1980er Jahre eine stillschweigende Norm war. Einen durch die Moderne in die Krise geratenen, falsch idealisierten Dramenbegriff hatte schon Lehmanns Lehrer Peter Szondi in seiner legendären Studie «Theorie des modernen Dramas» angegriffen und dagegen die modernen Abweichler von Tschechow bis Brecht in Stellung gebracht. Im Wesentlichen geht es dabei um die drei Kategorien Dialog, Konflikt und Fiktionalität, wobei sich Lehmann, siehe ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Postdramatisches Theater, Seite 36
von Franz Wille
Mit Castorf und Einar Schleef waren im Sommer 1989 die beiden stärksten Vertreter des oppositionellen Theaters aus der DDR im Westen. Komplettierte sich das DDR-Exil? In dem Nebeneinander in Frankfurt und München sah man die Unterschiede. Schleef baute noch harte, thematisch klare Stücke, brauchte deutliche Konturen, klare Szenenfolgen, seine innovative Kraft...
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Kaum zu glauben, dass es in Chemnitz so viele Nachtclubs gibt. DJane Fuxia führt das Theaterpublikum mit lässigem Techno von Ort zu Ort, ihr DJ-Pult ist ein schwarzer Einkaufswagen mit Boxen und blinkenden Sternen. Auf der Bühne im Weltecho, im ersten Stock eines wunderschönen Gründerzeit-Baus, zeigt das Chemnitz-brasilianische Ensemble Enois 15 Minuten...
