Zürich: Tonband to Heaven
Der amerikanische Physiker William Roger Corliss (1926–2011) schrieb Bücher über unerklärliche Naturerscheinungen. Nicht UFOs waren seine Leidenschaft, sondern gewöhnlichere Anomalien. Corliss sammelte seltsame Wetterphänomene und ging gegen den Glauben an die exakte Wissenschaft vor, den er längst verloren hatte, als er 1988 eine Preisverleihung in London schwänzte.
«Unusual Weather Phenomena Project» des Schweizer Regisseurs Thom Luz, eine Koproduktion der Zürcher Gessnerallee mit Théâtre Vidy Lausanne, Kaserne Basel, Südpol Luzern und Theater Chur, setzt bei dieser No-Show ein.
Auf einer sehr großen Leinwand haben Texttafeln den Fall Corliss erläutert, das Publikum weiß Bescheid, als vier Musiker im Frack zaghaft die Bühne betreten. Geiger und Cellistin haben blecherne Schalltrichter an ihren Instrumenten angebracht (Mathias Weibel und Mara Miribung), der Posaunist Michael Flury ploppt und pustet die leiseste Posaune der Welt, und Toningenieur Martin Hofstetter erklärt leise, für das Publikum unhörbar, mit behutsamen Gesten die Maschinerie auf der Bühne. Noch könnte man meinen, die Musiker seien für die Preisverleihung bestellt.
Verwaiste Mikrofone stehen im Halbdunkel. Und ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Tobi Müller
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