Versuche im Visionären

In Frankfurt zelebrieren Andreas Kriegenburg Shakespeares «Sturm» und Ersan Mondtag Oskar Roehlers Drehbuch «Der alte Affe Angst»

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Sie hat sich in den vergangenen Jahren zurückgezogen, jedenfalls ist schon seit Längerem wenig von ihr zu sehen: die Vision im Theater. Bildstarke, rätselhafte, beunruhigende, verstörende Bühnen werden seltener. Robert Wilson hat sich abgenutzt, junge Regisseure scheinen sich eher wenig für die Suggestivkraft fremder Bildwelten zu interessieren.

Gegen diesen Trend hat sich Andreas Kriegenburg in den vergangenen Jahren immer wieder visionären Entwürfen zugewandt, er entwickelte – etwa für Kafka oder Dea Loher – überraschende, starke und manchmal auch höchst suggestive Räume, selbstdrehende Bildmaschinen, träumerische Rondells, stummfilmnahes Personal. Shakespeares «Sturm», das Politmärchen vom fernen Eiland mit zauberischen sowie komischen Einlagen, scheint da wie für Kriegenburg geschaffen, ein Bildwelterfinderdrama, ein Suggestionstheatertext.

Was Kriegenburg in drei Stunden in das große Frankfurter Schauspiel hineinzuzaubern versucht, ist dann allerdings so geheimnislos wie eine Amtsstube am Montagmorgen. Es gibt einen großen, dickstammigen, schief gewachsenen, ebenso weißen wie hellbeleuchteten Baum. Dazu einen kleinen Elfenchor in hellem Mauve oder Beige, der zwar weiblich ...

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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Peter Michalzik

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