Zürich Schauspielhaus: Sanfter Clash
Vom «Köln Concert» hören wir bei Trajal Harrell nur den ersten von vier Teilen. Wer kennt nicht die berühmte Phrase am Anfang? Der von einer langen Autofahrt erschöpfte Pianist Keith Jarrett zitiert den Pausengong der Kölner Oper und improvisiert den Rest, auf einem minderwertigen Flügel. An die 4 Millionen Mal hat sich das Album bis heute verkauft, ein Zufallstreffer mitten in die Weichteile der Epoche. Denn kaum eine Musik hat den Rückzug der Linken in die Innerlichkeit so gut vertont wie «The Köln Concert» von 1975.
Meistens leichte Harmonien, aber von Selbstverwirklichung beseelt. Und steht jemand stärker für weißen Geniekult im populären Jazz als Jarrett?
Wenn jemand wie der queere schwarze Trajal Harrell sich das halbe Leben mit der Tradition des Vogueing beschäftigt und dann zu diesen weißen linken Ikonen tanzt und tanzen lässt, grinst man mindestens auf den Backenzähnen. Erst recht, wenn Harrell und seine 6 Tänzer*innen sich in den ersten 20 Minuten zu Joni Mitchell bewegen. Es sind vier getragene, von Piano begleitete Songs, die Mitchell zwischen 1969 und ’71 einspielte, den 69er Hit «Both Sides Now» hören wir in einer Orchesteraufnahme von 2000. Mitchell besingt die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2020
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Tobi Müller
In Zusammenarbeit mit dem Theatermuseum Wien hat die slowakische Akademie der Wissenschaften einen von Miloš Mistrík zusammengestellten Band über «Max Reinhardt und Bratislava/Pressburg» herausgegeben, der der Herkunft der jüdischen Familie Goldmann aus dem slowakischen Städtchen Stampfen in der Nähe der damals Königlichen Freistadt Pressburg mit mehrheitlich...
Aachen, Theater
18. Das Ende von Eddy//Cyborg 2020 – Where is my mind (U)
R. Melina Pyschny und Tommy Wiesner
Aalen, Theater der Stadt
22. Ebel, Ox & Esel – Eine Art Krippenspiel
R. Winfried Tobias
Altenburg Gera, THeater
10. nach Andersen, Des Kaisers neue Kleider
R. Lena Hesse
22. nach Süskind, Der Kontrabass
R. Manuel Kressin
20. nach Collodi, Pinocchio
R....
Die Kunst ist auch keine Medizin. Maja Beckmanns Medea glaubt es kurz. Sie setzt sich zu Johannes Rieder aufs Klavier, mit der Blockflöte in der Hand. Gemeinsam pfeifen sie sich eins auf die Welt, fantasieren sich in einen Zwiegesang von Liebe und Solidarität und Loyalität. Das pure Gegenteil von Jason also.
Dieser hat Medea bekanntlich in der Fremde sitzenlassen,...
