Von Bildern und Menschen
Flächen, Teppiche, Wasserfälle, Gebirgsbäche, Schwalle – Jelineks Texte werden gerne mit bildmächtigen Metaphern bezeichnet. Sie widersprechen der gängigen Auffassung, Sätze bezögen sich auf Sachverhalte der Welt. Aber Jelineks Sätze beziehen sich zunächst auf Sätze, und so breiten sie sich ungehindert aus, wuchern selbstreferentiell über Hunderte von Druckseiten. Im Schauspiel Köln sind nun zwei Strategien zu beobachten, wie die Theater mit diesen Konvoluten umgehen: zerkleinern, zerlegen, präparieren oder mit Bildern überwältigen, übertrumpfen.
Stefan Bachmann inszeniert die deutsche Erstaufführung von Jelineks neuestem Text «Schwarzwasser» und Ersan Mondtag «Wut» von 2016 (abgedruckt in TH 6/16).
Bachmann zerschlägt das große Stück in kleine Monologsplitter und macht daraus einen «szenischen Parcours». Hygienischer kann eine Theateraufführung kaum sein. Nicht nur die Schauspieler sind isoliert. Die Zuschauer bewegen sich in Sechsergruppen mit Abstand und Maske zu sieben Stationen, die in unterschiedlicher Reihenfolge angelaufen werden, freundlich, aber stumm geführt von Statisten. So erlebt man die alte Kabellagerhalle, die nun schon lange Spielstätte des Schauspiels ist, ganz ...
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Theater heute November 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Gerhard Preußer
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