Zote, Quote und Zuwanderung
Seit knapp zwei Jahren hat Österreich ein schönes, strenges Zuwanderungsgesetz – und dann passiert Anfang Oktober so etwas. Erst versuchte ein Niederösterreicher bosnischer Herkunft, mit einem Rucksack voller Schrauben und Granaten durch den Securitycheck der US-Botschaft zu spazieren. Neben dem explosiven Gepäck stellte die Polizei eine muslimische Gebetsfibel sicher, und um ein Haar hätte Wien seinen ersten islamistischen Anschlag gehabt. Dann: Arigona Zogaj.
Die hübsche 15-Jährige, ebenfalls bosnischer Herkunft, drohte in einem herzzerreißenden Brief an den Innenminister, sich das Leben zu nehmen, wenn ihre längst integrierte Familie nicht zusammen und in der neuen Heimat Österreich bleiben darf. Vater und vier Geschwister hatte das Land bereits nach Bosnien abgeschoben. In einer Mischung aus geheucheltem Mitleid und Fleischeslust diskutierte der Boulevard am Fall Arigona noch einmal die Frage, ob nicht zumindest für rehäugige Teenager «humanitäre Ausnahmen» gelten müssten. Kaum überraschendes Statement von rechts: «Die Kirche, die Roten und die Grünen. Das größte Pack das es mit den Ausländern in Österreich gibt. Gleich alle zusammen ausweisen und wir haben eine Ruhe. ...
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