Zombie-Duette im Spiegellabyrinth
Ich musste die Tür zum Gang schließen», erklärt ein Bruder seiner Schwester in Julio Cortazars fantastischer Erzählung «Das besetzte Haus». «Sie haben den hinteren Teil übernommen.» Abgeschieden und allein lebt das Geschwisterpaar in einem alten Haus, das sie mit ihren Eltern und ihrer Kindheit verbindet, als plötzlich dunkle Mächte eindringen, das Haus nach und nach besetzen und die Geschwister schließlich zwingen, das Haus zu verlassen.
«The Visitors» – die Fortsetzung von Constanza Macras’ Zusammenarbeit mit dem Windybrow Arts Centre in Johannesburg und vielen der jungen südafrikanischen Performer:innen aus «Hillbrowfication» (2018) – beginnt mit Cortazars Geschichte als eine Art Prolog.
«Hijacked buildings», gekaperte Gebäude, sind im Johannesburger Stadtteil Hillbrow – in dem die Bevölkerung in unterschiedlichen prekären Schieflagen um ein Fünffaches dichter zusammenlebt als in New York City – ein stehender Begriff. Vor allem im Ponte City Tower potenzierten sich in den 1990er Jahren soziale Probleme, räumliche Verwahrlosung und Kriminalität zu einem 172 Meter und 54 Stockwerke hohen Slum-Wolkenkratzer: 1975 ausschließlich für die weiße Apartheids-Oberschicht von Hillbrow ...
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Theater heute März 2024
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Anja Quickert
Regt sich noch jemand ernsthaft über Ibsens «Nora» auf? Kann sich noch jemand das Skandalon vorstellen, das der Text anno 1879 bedeutet haben muss, als bei der deutschen Erstaufführung im Jahr darauf in Hamburg sogar der Schluss geändert werden musste, um die traditionelle Vorstellung von Ehe nicht zu erschüttern?
Eine Frau, die Mann und Kinder verlässt, um ein...
Als anfangs der Musiker, Theater- und Filmkomponist PC Nackt (bürgerlich Patrick Christensen) von der Seite auf die Vorbühne tritt, führt und stützt er einen unsichtbaren Kollegen. Dieser oder diese muss sehr, sehr alt und zerbrechlich sein, so behutsam begleitet Nackt die offenbar deutlich kleinere Gestalt die Stufen von der Rampe hinunter zu den zwei Klavieren,...
Kurz vor der Premiere lief auf «Arte» eine Reportage über den Exodus senegalesischer Fischer. Jeder fünfte Einwohner Senegals lebte einst von der Fischerei. Seit vielen Jahren wird ihnen ihre Einkommensquelle von Trawlern der EU und Chinas weggefischt. Cash-for-Fish-Abkommen mit der Regierung Senegals machen es möglich. Den Fischern und ihren hungernden Familien...
