Endspiel mit Schrecken

Neue Stücke in Stuttgart: Herbert Fritsch stößt mit Nis-Momme Stockmann «Das Portal» zur Theaterbetriebssatire auf, Simon Stephens schaut auf «Ein dunkles, dunkles, dunkles Blau»

Theater heute - Logo

Der DHL-Botin sitzt die Verstörung im Nacken. Seit Ewigkeiten irrt sie zeitvertragswidrig durch Vorhanggassen, über Bühnenweiten, auf der Suche nach irgendeinem «Hugendubel». Das Päckchen, das die Botin zu tragen hat, ist seither monströs gewachsen, die Miene kalkiger geschminkt denn je.

Jetzt jedoch steht sie ja wieder vor dem Pförtner, jener vertrauten Instanz, die ihr in Szene eins so unmissverständlich wie ungefähr den Weg durchs Theaterlabyrinth gewiesen hat: «Sie gehen am besten die Treppe hier runter, unter der Bühne durch, vor dem Heizungsraum links abbiegen, dann die Kellertreppe runter, folgen den Schildern zur Probebühne, beim Fahrstuhl noch einmal links, da wo die Requisiten für ‹Die Hose des Kalifen› stehen, dann rechts, das letzte Probebühne-Schild ignorieren Sie und gehen dann von den vier Wegen den, der so leicht rechts unter der Unterführung durchgeht, zum großen Alkoven und dann bei der Monstera die Treppe hoch ... bzw. nein: bei den Requisiten zur ‹Hose des Kalifen› gehen Sie besser links – Quatsch: den mittleren Gang und bei den Toiletten rechts …».

Schrille Theaterbetriebsklamotte

Wohlgemerkt, dieses richtungsweisende Erklärchaos stiftet Michael Stillers ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 20
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Impressum Theater heute 3/24

Pläne der Redaktion
Tumult im Burgtheater (Foto oben) bei der Uraufführung von Thomas Bernhards «Heldenplatz» 1988: Ob Frank Castorf bei seinem Nachspiel auch schafft, was Claus Peymann damals gelang?

Ihre Vorgängerin Iris Laufenberg ging danach ans Deutsche Theater Berlin. Jetzt hat Andrea Vilter das Karrieresprungbrett Schauspielhaus Graz übernommen: der Neustart

...
Ophelia und Hamlet

Es war ein grauer, spätwinterlicher Märztag in Bremen. Ich war zur ersten persönlichen Begegnung mit George Tabori verabredet, bei ihm zu Hause im Hochparterre eines Gründerzeithauses. An der Tür öffnete eine zierliche junge Frau in einem eher sommerlich hellen Kleid und führte mich in das geräumige Wohnzimmer, an dessen Ende hinter einem niedrigen Teetisch statt...

Männer mit und ohne Fantasie

Wir leben in unruhigen Zeiten. Überall auf der Welt kämpfen gerade sehr mächtige Männer mit allen Mitteln um ihren Platz oben in der Rangordnung. Nicht, dass es jemals groß anders gewe -sen wäre, aber es hat Zeiten gegeben, in denen sie zumindest in unserer Demokratie etwas ruhiger, eingehegter, zivilisierter waren. In Berlin nähern sich zwei Inszenierungen dem...