Zaubertheater
Autoren mit Migrationshintergrund schreiben oft über ihre Migrationserfahrungen, über Flucht oder die Schwierigkeit, sich in einem neuen Land, in einer fremden Sprache zurechtzufinden. In gewisser Weise sind sie auch Übersetzer, die zwischen verschiedenen Welten vermitteln. Für Mehdi Mo -radpour, 1979 als Sohn aserbaidschanischer Eltern in Teheran geboren und seit 2001 in Deutschland lebend, gilt das doppelt. Er arbeitet nicht nur als Dramaturg (Münchner Kammerspiele, Schauspielhaus Bochum), sondern auch als Übersetzer und Gerichtsdolmetscher.
Ein solcher spielt auch in Moradpours Stück «Die Verhandlung der Träume» eine Hauptrolle: Caliban (Tala Al-Deen) heißt wie Prosperos wilder Sklave im «Sturm», ist aber ein ausgesprochen gutmütiger Zeitgenosse mit einer Schwäche für kitschige Romane. Im Kern ist das Stück ein unkonventionelles Gerichtssaaldrama: Unter dem Vorsitz von Richterin Mira (Sophia Löffler) wird der Fall von Terra B (Iris Becher) verhandelt, die gegen ihre Abschiebung geklagt hat. Sie hatte in Afghanistan Motorradrennen für Frauen veranstaltet, was die Taliban gar nicht gut fanden. Um zu beschreiben, wovor sie geflohen ist, zitiert sie aus «Dantons Tod»: «Sie haben ...
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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Wolfgang Kralicek
Hart ist gar kein Ausdruck für die Welt, in die die namenlosen Zwillingsjungen aus Ágota Kristófs Roman «Das große Heft» geworfen werden. Es herrscht Krieg, und ihre Mutter bringt sie, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen, aus der bombardierten Stadt ins Dorf zur Großmutter. Deren Empathie hält sich in derart engen Grenzen, dass allein schon der Gebrauch dieser...
Liebe Leser:innen,
nachdem uns immer mehr Beschwerden erreicht haben, dass unsere schönen überformatigen Hefte nicht in die kleinlich normierten deutschen Briefkastenschlitze passen und von lieblosen Bot:innen böse gefaltet und geknittert werden, haben wir uns schweren Herzens entschlossen, unser Format anzupassen. Nach minutiöser Millimeterarbeit unseres Grafikers...
Vergangene Saison, nach der Premiere von Milan Peschels fein gewobenem «Ich werde dich lieben», wurde bekannt, dass große Teile des Schweriner Ensembles ebenso wie Schauspieldirektorin Nina Steinhilber nicht verlängert würden. Es ging das (auch von Peschels Inszenierung befeuerte) Gerücht um, man wolle am Haus kommerzieller werden, stärker in Richtung Musical...
