Ins Dur gerückt
Johann kommt in die große Stadt Berlin und heuert als ungelernter Angestellter bei einem hipsteresken Wurst-Start-up an. Der Chef nervt, Johann geht auf Partys, Johann verliebt sich in Sam, und Sam verlässt ihn. Johann weiß nicht, wohin mit sich, landet in der Psychiatrie. Mit seiner Kumpel-Freundin Louise geht es auf und ab. Wie das Leben so spielt, wenn man jung und auf der Suche ist. Nur dass Johann zum Zeitpunkt, da all das passiert, noch gar kein Mann ist, sondern eine Frau. Und seine Suche nach der eigenen Identität mithin zur echten Zerreißprobe gerät.
Henri Maximilian Jakobs hat mit seinem autobiografischen Romandebüt «Paradie -sische Zustände» (von 2023) eine ebenso sensible wie von lässigem Witz durchzogene Geschichte vorgelegt, eine Mischung aus Coming-of-Age- und Coming-Out-Story, die von der langsamen Entdeckung der eigenen Trans-Identität bis zum Vollzug der Geschlechtsumwandlung führt. Im intimen Studio der Schaubühne bringt er den Stoff jetzt als Solo auf die Bühne. Und weil in der Adaption notgedrungen eine Menge wegfällt und insbesondere die emotionalen Reflexionen komprimiert sind, streut Jakobs für die Gefühlswelthaltigkeit Songs ein, zu denen er sich selbst ...
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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Christian Rakow
Von der Eisernen Lady Margaret Thatcher ist der Ausspruch überliefert: «So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht. Es gibt nur einzelne Männer und Frauen.» Der Slogan markiert nach landläufiger Meinung den Auftakt für den Neoliberalismus in Europa, der bald schon ein Heer an versprengten Ich-AGs über die Märkte schwemmte und zivilgesellschaftliche Institutionen ins...
Wer ist Amir Gudarzi? «Ein iranischer Autor, der österreichische Autor, ein geflüchteter, ein aus dem Nahost stammender Autor, ein Muslim oder Nicht-Muslim, ein Atheist, ein aus Teheran stammender Autor, der Wiener Autor, der junge Autor, Exil-Dramatiker, ein im Iran geborener und in Österreich lebender Autor, der iranischösterreichische Autor, der Exil-Iraner, der...
Sie haben einen schlechten Ruf, gelten als schäbig lachende Aasfresser. Doch Hyänen sind, das zeigen jüngste Forschungen, die wohl missverstandensten Säugetiere überhaupt. Bei ihnen herrscht ein striktes Ma -triarchat, und Hyänenmütter gehen mit ihrem Nachwuchs unfassbar liebevoll um. All das recherchiert man, etwas ratlos geblieben, nach der deutschsprachigen...
