Zahnarztzwillinge
Alles ziemlich pink, aber rosig geht’s nicht zu an diesem Abend. Ängste werden getriggert. Vor den Folgen des Klimawandels. Alles auch ziemlich apokalyptisch also. Ein pinkes Haus in Schieflage, mitten im Waldbrandgebiet, der Pool leer. Es qualmt, Autoinnereien verteilen sich auf der Bühne des Studios Werkhaus des Mannheimer Nationaltheaters, wo jetzt Svenja Viola Bungar -tens «Die Zukünftige» – ausgezeichnet 2022 mit dem Else-Lasker-Schüler-Stückepreis – urauf -geführt wurde. Manchmal glotzt sogar ein Vollmond romantisch hinunter vom Bühnenhimmel.
Eine albtraumartige Kulisse, finster, verwirrend wie der rasante Wechselsprech, den das sechsköpfige Ensemble mit kuriosem Rollen -switchen kombiniert. Larissa Voulgarelis, Eddie Irle, Boris Koneczny, Maria Munkert, Almut Henkel und Antoinette Ullrich gelingt das vir -tuos. Ob Zwillingsschwestern, Vater, Mutter und weitere Figuren: Jeder und jede kann gender -fluently jeden und jede spielen. Und alle tragen meist Zöpfchenperücken mit weißen Schleifchen, pinke Brustpanzer, weiße Lackschürzen (Bühne und Kostüme Mirjam Schaal). Schnell getaktet sind die prosaisch performten Geschich -ten, die sich variieren, alles miteinander verquirlen, ...
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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Verena Großkreutz
Cooles Bühnenbild: Hinten hängen drei unterschiedlich große Bildschirme in Bullaugen-Form, durch die man zunächst in Wasserlandschaften mit Fischchen schaut. Später laufen dort auch Recherche-Videos ab. Vorne das Fragment von einem Schiff: bloß der Bug, mit Tisch und Stühlen drauf. Drüber fallen sanft Wasser- und Lichtspiegelungen und eine Menge Bühnennebel....
Das letzte Wort bekommt die Mutter. Was sie sich für ein Leben gewünscht hätte, wenn etwas anderes möglich gewesen wäre. Zur Schule gehen vielleicht, meint sie, vielleicht einen richtigen Beruf erlernen. Ärztin habe sie immer werden wollen. Aber das war nicht möglich für eine Frau, die mit vier Jahren, fünf Geschwistern und der Mutter aus Ostpreußen in ein Dorf bei...
Richard III., Caligula, Hitler, es ist ein Herbst der Tyrannen in den Pariser Theatern. Kein Wunder angesichts des Weltzustands. Wie umgehen mit institutionellem Terror, Faschismus, Gewaltherrschaft? Die Regisseure Vincent Macaigne, Sylvain Creuzevault und Jonathan Capdevielle entscheiden sich für ein klassisches Konzept: Komik. Ist sie erst mal der Lächerlichkeit...
