Yael Ronen & Dimitrij Schaad: (R)Evolution
Figuren:
Richard «Ricky» Martin/Alecto Dimitrij Schaad
Dr. Stefan Frank/Alecto Tim Porath
Tatjana/Alecto Marina Galic
Lana/Alecto Birgit Stöger
René André Szymanski
SZENE 1 – Introduction
Monolog Dimi Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Bevor es losgeht, würde ich Sie gerne mit den neuen Privatsphäre-Einstellungen und Nutzungsbedingungen des Thalia Theaters vertraut machen, mit denen Sie sich automatisch einverstanden erklären, sobald Sie diese Vorstellung anschauen.
Als Teil des Modernisierungs- und Digitalisierungsprozesses im Theater sind wir sehr stolz, Ihnen unseren neuen Service präsentieren können, den das Thalia exklusiv in Kooperation mit Google und Amazon entwickelt hat. Er heißt «Artech» und hat nichts Geringeres zum Ziel, als das verstaubte Medium Theater nun endlich auch in das 21. Jahrhundert zu führen.
Während Sie also heute Abend die Vorstellung schauen, werden wir auf Sie schauen. Wir wollen Sie nämlich kennen und verstehen lernen, so dass wir Ihnen in Zukunft ein noch besseres Theatererlebnis bieten können.
In meiner Hand halte ich einen extrem empfindlichen Glasfaser-Sensor. Solche Sensoren wurden in die Stühle im Zuschauerraum eingebaut und werden uns ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Stückabdruck, Seite 99
von
Ist das jetzt Trotz? Regisseur Philipp Preuss geriet im letzten Jahr in eine Repräsentationsdebatte: Seine Uraufführung des Dramas «atlas» von Thomas Köck wurde seitens asiatisch-deutscher Kulturschaffender grundlegend dafür kritisiert, dass hier «weiße Menschen die Geschichten von Menschen of colour auf deren Kosten nutzen» würden. In Mülheim inszeniert der weiße...
«Ich bin Nana», stellt sich Annick Choco vor. «Ich komme aus den Armenvierteln, um die Reichenviertel zu erobern. Genau wie der Cancan.» Und dann wird getanzt: Die Beine fliegen, die Röcke heben sich, das Fleisch wirbelt, und Matthieu Svetchine probt einen kurzen Lapdance auf dem Schoß einer freundlich irritierten Zuschauerin. «Galop infernal», unterlegt mit fetten...
Eigentlich läuft das Theater gerade in Zeiten der Krise zur Höchstform auf. Als Ort subversiver Gemeinschaft und kollektiver Selbstvergewisserung, zum Mut fassen und Kraft schöpfen und um mitten in einer unübersichtlichen gesellschaftspolitischen Situation den Blick für besondere Standpunkte zu öffnen und die Gedanken zu schärfen. All das wäre auch jetzt besonders...
