Kiel: Zukunft von gestern
Funktioniert Science Fiction im Theater? Schwierig. Laurie Pennys «Everything belongs to the future» ist als Roman eine durchaus beunruhigende Dystopie, in der die Menschheit das Altern aufhalten konnte, zumindest für den Teil, der sich eine Droge namens «The Fix» leisten kann. Die Wohlhabenden verbringen ihre Tage faltenfrei zwischen Sport, Müßiggang und Feierabendcocktail, während die Mehrheit der Gesellschaft vor sich hinvegetiert und irgendwann stirbt. Eine verhältnismäßig hilflose Widerstandsgruppe gegen diese Zustände ist auch bald korrumpiert.
Klappt das auch auf der Bühne?
2018 entdeckte Laura N. Junghanns den Stoff fürs Theater Dortmund mit Freude an den technologischen Möglichkeiten, die die am Haus gepflegte Ästhetik bietet. In Kiel bedient sich Annette Pullen zwar der Fassung von Junghanns, nimmt sich des Stoffs allerdings mit traditionelleren Theatermitteln an: Ausstatterin Nina Sievers hat drei Inseln auf die winzige Studiobühne gebaut und das Publikum dazwischen verteilt; ansonsten wird ganz konventionell gespielt – ohne Videos, ohne virtuelle Realität. Die auf das reine Spiel konzentrierte Inszenierung besticht so einerseits durch eine nicht uninteressant ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Falk Schreiber
Zwei Tage war das Virus, das 14 Tage später das (Theater-)Leben zum Erliegen brachte, schon in Deutschland unterwegs, als am 29. Februar am Hamburger Thalia Theater Yael Ronens «(R)Evolution» zur Uraufführung kam. Der Abend, inspiriert von den Gedankenspielen zu den disruptiven Einschnitten am Ende des Anthropozäns von Ronens israelischem Landsmann Yuval Noah...
Gianluca Passeri, laut Programmheft zuständig für das «Bewegungs- und Verhaltenstraining Affen», ist seiner Aufgabe bewundernswert kenntnisreich nachgegangen. Es ist die reine Freude, wie Robert Beyer, Jenny König, Genija Rykova und Mark Waschke die letzte Viertelstunde von Marius von Mayenburgs «Die Affen» über die Bühne krauchen, spitze Schreie absondern,...
Unspektakuläre Aufklärungsarbeit gehört an manchen kleineren Stadttheatern zum Auftrag. Regensburg zum Beispiel stellt regelmäßig auf der Studiobühne aktuelle Stücke vor, die mit wenig Aufwand und viel echtem Engagement beitragen sollen zum Verständnis der Probleme von Minderheiten in der Gesellschaft. Die Aufführungen finden nicht etwa pflichtschuldig abseits der...
