Wut und Hass, Hass und Wut
Anfang diesen Jahres, um genau zu sein: am 8. Februar 2015, hatten wir, Nicolas Stemann und ich, uns mit Elfriede Jelinek verabredet. Es war gewissermaßen ein Antrittsbesuch der zwei Neuen in dieser Stadt – Nicolas Stemann wird ab dieser Spielzeit Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen. Viel mehr, als sich «Grüß Gott» zu sagen und die künstlerische Wahlverwandtschaft zwischen Kammerspielen und Jelinek-Stemann weiter zu pflegen, hatten wir uns gar nicht vorgenommen.
Also unterhielten wir uns ohne rechtes Ziel, bis das Gespräch die Frage nach einem neuen Text berührte, die gewöhnlich vorsichtig vorgetragen werden muss: Jelineks reflexhaft hervorbrechende Abwehr darauf ist legendär. Doch dieses Mal war alles anders. Sie schriebe bereits an etwas Neuem. Einmal als notwendig erachtet und damit begonnen, habe es sie nicht mehr losgelassen. Es müsse halt einfach sein: Sie schriebe und schriebe.
Schon wenige Wochen später hatten wir «Wut» in unseren E-mail-Postfächern. Anlass zur Jelinkschen Schreibwut waren die Anschläge von Paris gewesen, also jene tödlichen Attentate auf Redaktionsmitglieder des Satiremagazins «Charlie Hebdo», einen Polizisten und vier Kunden eines Supermarkts ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 181
von Benjamin von Blomberg
«It’s not because I’m old
It’s not the life I led
I always liked it slow
That’s what my momma said»
Leonard Cohen
In Bremen höre ich das Nordwestradio, es ist neu aufgestellt, es war mal der Kultursender hier bei Radio Bremen. Jetzt soll er immer seichter und kommerzieller geworden sein, so sagt man hier in Bremen, ich finde das nicht, aber sie spielen immer noch...
Was ist das für ein System, in dem ein 50-jähriger Lichttechniker mit ‹Best Boy› angesprochen wird?», fragte einmal der Filmemacher David Mamet Hollywoods Filmindustrie. Was ist das für ein System, könnte man entsprechend die Städtischen Bühnen fragen, in dem eine 24-jährige Schauspielerin, die nach Abschluss ihres Studiums ihr erstes Engagement antritt, sich...
Ein ideales Ensemble wäre wie die perfekte Ehe: Ohne Eitelkeiten und übertriebene Ansprüche, hingebungsvoll und mit Leidenschaft bei der Sache, loyal und fürsorglich, vertraut und freundschaftlich, bis dass der Tod sie scheidet. Es wäre ein Ensemble, das keine Drehtage einfordert oder Urlaubsscheine einreicht, das sich nicht über Doppelvorstellungen oder...
