Wurst spielt Hähnchen

Enda Walsh «The Homefront»

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An diesem Tag ist alles anders. Sean hat im Supermarkt an der Kasse die falsche Tüte gegriffen und statt des Brathähnchens eine dicke Wurst mit nach Haue gebracht. Dort warten schon sein Vater Dinny und sein Bruder Blake darauf, dass sie mit den eingekauften Requisiten ihr Spiel starten können, das von ihrer Herkunft erzählt. So muss die Wurst nun ganz theatral in ihrer Rolle als Hähnchen in den Backofen. Doch dann klingelt es an der Tür.

Die Kassiererin Hayley, die sich in Sean verguckt hat, kommt herein, bringt die richtige Tüte und öffnet damit die hermetische Welt der drei Männer. 

Der in London lebende irische Dramatiker Enda Walsh ist so etwas wie der Spezialist für klaustrophobische Familiensituationen, die regelmäßig in ritueller Zerfleischung der Protagonisten enden. In einer Art hysterischem Re-Enactment spielen Dinny, Sean und Blake in Walshs jüngstem Stück «The Homefront», das am Berner Stadttheater seine deutschsprachige Erstaufführung erfuhr, tagtäglich das gleiche Stück durch, als fiele ihre kleine Welt auseinander, hörten sie einmal auf zu spielen. Das traumatische Verbrechen, Dinnys Mord an seinem Bruder und dessen Frau im fernen Irland, soll so ungeschehen gemacht ...

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Theater heute Mai 2008
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Gerald Siegmund

Vergriffen
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