So frei, so klug, so live

Was fehlt? - Gob Squad «Kitchen (You’ve Never Had It So Good)»

Theater heute - Logo

«In hundert Jahren, wenn wir alle tot sind, werden Leute diese Bänder finden und sie werden sagen: ‹Mein Gott, sie waren so lebendig!›» Es klingt wie eine Tschechow-Replik, was Simon Will uns da, aus der Mitte einer Küchenparty heraus, über den Videoscreen vermeldet: Lasst nicht den «Onkel Wanja» in euch auf das Glück zukünftiger Generationen hoffen. Spürt, wie ihr lebt!

Aber wie immer beim deutsch-englischen Künstlerkollektiv Gob Squad ist alles ein wenig komplizierter.

Gob Squad haben sich eingefunden, um alte Andy-Warhol-Filme nachzustellen, wobei «Kitchen», die Grundlage des Abends, gar nicht mehr erhältlich war. So lässt man die Sixties und die Pop-Factory aufleben, wie man sie sich vorstellt oder vom Hörensagen kennt: Un­ser Eingangszitat wandelt ein Urteil Norman Mailers ab, der in «Kitchen» eigentlich das Ennui der Pop-Ära verkörpert fand.

Im Zuge ihrer genussvollen Umschichtung von historischen und intellektuellen Koordinaten führen uns Gob Squad ins Herz der Kunst, an den Punkt, wo die Fantasie entsteht, wenn man vom Zwang befreit ist, authentisch zu sein. «Laura, wieso bist du nach der Schule nicht nach Amerika gegangen?», fragt Gaststar Laura Tonke eine Zuschauerin. Und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2008
Rubrik: Theatertreffen 08, Seite 25
von Christian Rakow

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wieder nix

Ich wiederhole mich nur ungern, aber mir fehlt in der Auswahl des Theatertreffens auch in diesem Jahr eine Peter-Handke-Inszenierung von Friederike Heller. 2007 war die Wiederentdeckung der alten Kapitalismuskomödie «Die Unver­nünf­tigen sterben aus» übergangen worden, jetzt hat man eine Inszenierung von Handkes jüngstem Drama «Spuren der Verirrten» ignoriert, die...

Mord oder Nichtmord, das ist hier keine Frage

Wie darf man das verstehen? Soll man um der höheren Sache, sagen wir einer Revolution willen, Menschen umbringen? Bevor man sich kurz ans Hirn greift, wie man die Frage überhaupt stellen kann: Brecht hat sie in seiner «Maßnahme» mindestens diskutiert, wenn nicht bejaht; Heiner Müller hat sie in «Mauser» mindestens variiert, wenn nicht akzeptiert – und das...

Bemerkenswerter Quark

Welch herrlicher Zeitgeist-Quark aber auch! Reden wir nicht lang rum: Peter Steins enthemmte Schiller-Liebedienerei am «Wallenstein» war für mich die schlimmste Theatertortur seit langem; ein monströser, maßloser Theaterschreckensstreich von (die Pausen mitgerechnet) zehnstündiger Dauer. Der Großschauspieler und Titelrollenausfüller Klaus Maria Brandauer trumpfte...