Würde der Frauen

Reto Fingers "Kaltes Land" wird in Mannheim uraufgeführt

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Das Verhängnis drängt schwer von der Decke. Zehn massive Baumstümpfe hängen an eiser­nen Ketten aus dem Schnürboden und schweben knapp über dem Boden. Ob Hackstöcke oder erdrückende Stempel – an soviel geballter Symbolkraft kann man sich mehr als nur die Finger verklemmen. Bühnenbildner Florian Etti hat das Schweizer Emmental zwischen die sonst leeren Hubpodien des Kleinen Hauses verlegt; die hydraulische Kunstlandschaft verändert sich szenengenau und maschinenpräzise: Naturgewalt mit modernster Steuertechnik.
So zivilisiert und ökonomisch hat Regisseur Burkard C.

Kosminski auch das Spiel der Darsteller arrangiert. Einsamkeitsschwanger im Raum verteilt wird das Bergvolk in kargen Ausdruck geschnitzt. Edgar M. Böhlke leiht Vater Jakob gebeugte Haltung von lebenslanger Bauernfron und erledigt aufkommende Autoritätsprobleme mit Donnerstimme und blitzenden Blicken unter buschigem Augenbrauengestrüpp. Pfarrer Hofmann säuselt von Amts wegen gekonnt im Predigerton, aber der Mann kann auch anders. Dann drehschraubt Rüdiger Hacker den verspannten Körper eines unterm Moralmantel begrabenen Pädophilen in die Pirouetten der Begehrlichkeit. Florian, der dritte Mann im Stück und Hannas Hoffnung ...

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Theater heute November 2006
Rubrik: Autoren zu entdecken, Seite 50
von Franz Wille

Vergriffen
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Nix Pudel

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Gegen das Vergessen!» – so lautete einst der Leitgedanke der künstlerischen Auseinandersetzungen mit Faschismus, Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg. Es ist ein Appell, dem die bleierne Zeit der fünfziger Jahre wie ein Negativabdruck eingeschrieben ist, weil sich das Ausrufezeichen gegen eine Gesellschaft wandte, die sich nicht erinnern wollte – zum übergroßen Teil...