Würde der Frauen
Das Verhängnis drängt schwer von der Decke. Zehn massive Baumstümpfe hängen an eisernen Ketten aus dem Schnürboden und schweben knapp über dem Boden. Ob Hackstöcke oder erdrückende Stempel – an soviel geballter Symbolkraft kann man sich mehr als nur die Finger verklemmen. Bühnenbildner Florian Etti hat das Schweizer Emmental zwischen die sonst leeren Hubpodien des Kleinen Hauses verlegt; die hydraulische Kunstlandschaft verändert sich szenengenau und maschinenpräzise: Naturgewalt mit modernster Steuertechnik.
So zivilisiert und ökonomisch hat Regisseur Burkard C.
Kosminski auch das Spiel der Darsteller arrangiert. Einsamkeitsschwanger im Raum verteilt wird das Bergvolk in kargen Ausdruck geschnitzt. Edgar M. Böhlke leiht Vater Jakob gebeugte Haltung von lebenslanger Bauernfron und erledigt aufkommende Autoritätsprobleme mit Donnerstimme und blitzenden Blicken unter buschigem Augenbrauengestrüpp. Pfarrer Hofmann säuselt von Amts wegen gekonnt im Predigerton, aber der Mann kann auch anders. Dann drehschraubt Rüdiger Hacker den verspannten Körper eines unterm Moralmantel begrabenen Pädophilen in die Pirouetten der Begehrlichkeit. Florian, der dritte Mann im Stück und Hannas Hoffnung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Angefangen hat alles zu jener Zeit, da Schweizer Mädchen klassischerweise Au-Pairs werden und Jungs in die Rekrutenschule gehen und allgemein der erste Ernst des Lebens geprobt wird. Oder dessen Leichtigkeit. Nach dem Abitur entschloss sich Reto Finger nämlich, gemeinsam mit einem Heidelberger Freund Theater zu machen. Und zwar alles. Er schrieb, spielte – und...
Was ist denn mit unserer Familiensaga?», fragt Lavinia am Ende aller Lieder und Worte. «Was ist mit Vater, Mutter, Kind?» Es ist eine rhetorische Frage, eine höhnische, traurig-trotzige. Sie steht nicht bei O’Neill, dessen ausufernde Familientragödie «Trauer muss Elektra tragen» in den vorangegangenen zwei Stunden so lakonisch wie parodistisch exekutiert worden...
Überall hin verfolgte einen dieser Dackel in Bochum. Zwischen der Maschinenhalle «Friedlicher Nachbar» und dem Museum, zwischen der Zeche 1 und den Kammerspielen, zwischen dem Bunker «Bastion» und dem Prinz Regent Theater: Der kleine braune Kurzhaardackel war schon da, reckte einem seinen Bauch entgegen und ließ sich sanft kraulen – ein idyllisches Bild. Ein...
