Wovor hat man Angst?

Wieder im Aufbruch: die Schauspielerin Anne Ratte-Polle, eben noch Hannover

Theater heute - Logo

Wie ein Blick und ein Begehren das Tabu zunichte macht, wie der Furor jede Regel bricht, und wie ein gut gezielter Schuss die Liebesschlacht beendet – selbstverständlich ist es selbst im Theater nicht, dass der Überfall des Außergewöhnlichen derart hart und scharf und haargenau ins Herz und an die Nieren geht.

Als aber Shakespeares Gräfin Olivia, gelangweilt vom ewigen Werben des überkandidelten Schwärmers von nebenan, nun doch lieber dessen schmucken Liebesboten ins Auge fasst, wird nichts mehr bleiben, wie es war; und als Lady Macbeth den Gatten, der ja noch zögert, wie ein grausiger Nachtmahr in wildem, wüstem Wahn und als eigentliche Schicksalshexe in Schlacht und Mord zu treiben beginnt; als gar die antike Medea, neu ins heutige Leben, ins Lieben und Leiden unserer banalen Zeit gestellt, den verlorenen Kampf um den Mann kalt und monströs mit einem Schuss auf das Kind beendet – in all diesen Schrecksekunden brennt das Feuer auf den ersten Blick. 

 

Drei Mal ist das Anne Ratte-Polle, drei blitzlichtartige Momente sind das auf dem Weg, den die Schauspielerin in den vergangenen drei Jahren am hannoverschen Schauspielhaus gegangen ist. Immer wieder und in den verschiedensten Rollen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2005
Rubrik: Portrait, Seite 34
von Michael Laages

Vergriffen
Weitere Beiträge
Weniger bringt mehr

Heute: Wirklichkeitsflimmern! Die Wirklichkeit ist von vornherein so beschaffen, dass man sofort mit ihr spielen möchte, auch als Kind. «Vater, Mutter und Kind» ist die Form für die unmittelbare Umsetzung häuslicher Frustrationen und Konflikte ins Spiel. Die Abbildung ist der erste Schritt zur Bewältigung. Dabei muss der Wirklichkeitsbezug unmittelbar und direkt...

Alles hat seine Grenzen – auch die Globalisierung

Die Flüge werden immer billiger. Aus den Lufthansa-Schauspielern sind Air-Berlin- oder Germanwings-Schauspieler geworden. Das Phänomen des zur selben Zeit an mehreren Orten engagierten Künstlers ist aber nicht mehr auf Schauspieler, Regisseure und Bühnenbildner beschränkt; auch manche Festivalmacher sind so begehrt, dass sie gleichzeitig für verschiedene...

Ohne Risiken und Nebenwirkungen

Schwerin an einem strahlenden Frühsommerabend ist eine Puppenstube. Die Stühle sind auf die Straße gerückt, Touristen schlendern gutgelaunt durch die prächtig wiederhergestellte Altstadt zwischen Pfaffenteich und Burgsee. Neben dem schmucken mecklenburgischen Staatstheater wird die Freiluftbühne für «Rigoletto» aufgebaut. Käme Indras Tochter heute Abend am Theater...