Wovor hat man Angst?
Wie ein Blick und ein Begehren das Tabu zunichte macht, wie der Furor jede Regel bricht, und wie ein gut gezielter Schuss die Liebesschlacht beendet – selbstverständlich ist es selbst im Theater nicht, dass der Überfall des Außergewöhnlichen derart hart und scharf und haargenau ins Herz und an die Nieren geht.
Als aber Shakespeares Gräfin Olivia, gelangweilt vom ewigen Werben des überkandidelten Schwärmers von nebenan, nun doch lieber dessen schmucken Liebesboten ins Auge fasst, wird nichts mehr bleiben, wie es war; und als Lady Macbeth den Gatten, der ja noch zögert, wie ein grausiger Nachtmahr in wildem, wüstem Wahn und als eigentliche Schicksalshexe in Schlacht und Mord zu treiben beginnt; als gar die antike Medea, neu ins heutige Leben, ins Lieben und Leiden unserer banalen Zeit gestellt, den verlorenen Kampf um den Mann kalt und monströs mit einem Schuss auf das Kind beendet – in all diesen Schrecksekunden brennt das Feuer auf den ersten Blick.
Drei Mal ist das Anne Ratte-Polle, drei blitzlichtartige Momente sind das auf dem Weg, den die Schauspielerin in den vergangenen drei Jahren am hannoverschen Schauspielhaus gegangen ist. Immer wieder und in den verschiedensten Rollen ...
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