Wovor hat man Angst?
Wie ein Blick und ein Begehren das Tabu zunichte macht, wie der Furor jede Regel bricht, und wie ein gut gezielter Schuss die Liebesschlacht beendet – selbstverständlich ist es selbst im Theater nicht, dass der Überfall des Außergewöhnlichen derart hart und scharf und haargenau ins Herz und an die Nieren geht.
Als aber Shakespeares Gräfin Olivia, gelangweilt vom ewigen Werben des überkandidelten Schwärmers von nebenan, nun doch lieber dessen schmucken Liebesboten ins Auge fasst, wird nichts mehr bleiben, wie es war; und als Lady Macbeth den Gatten, der ja noch zögert, wie ein grausiger Nachtmahr in wildem, wüstem Wahn und als eigentliche Schicksalshexe in Schlacht und Mord zu treiben beginnt; als gar die antike Medea, neu ins heutige Leben, ins Lieben und Leiden unserer banalen Zeit gestellt, den verlorenen Kampf um den Mann kalt und monströs mit einem Schuss auf das Kind beendet – in all diesen Schrecksekunden brennt das Feuer auf den ersten Blick.
Drei Mal ist das Anne Ratte-Polle, drei blitzlichtartige Momente sind das auf dem Weg, den die Schauspielerin in den vergangenen drei Jahren am hannoverschen Schauspielhaus gegangen ist. Immer wieder und in den verschiedensten Rollen ...
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Zwischendurch nimmt immer mal wieder jeder seinen schwarzen Caféhausstuhl, wirbelt ihn zu einem kleinen einsamen Tänzchen mit sich herum, schreit ein paar seiner schönsten Phrasen der bösartigsten Selbstsucht ins Parkett und serviert dazu eine Portion Grotesk-Pantomime der jeweiligen besonders auffälligen Macken. Dazu gibt gelegentlich eine vierköpfige, vom...
Sehr geehrter Herr Detje,
wenn ich wirklich der Auftragskiller unserer Wahrnehmungsfähigkeit bin, dann sind Sie mir offensichtlich durch die Lappen gegangen. Ihre Wahrnehmungsfähigkeit scheint mir nicht nur intakt, sondern sogar aufs höchste, beinahe neurotische zugespitzt. Ihren ultraverfeinerten Wahrnehmungsorganen haben Sie Nuancen abgerungen, die außer Ihnen...
Nicht versöhnt» hieß die Straub-Verfilmung von Heinrich Bölls «Billard um halb zehn» über das Sich-Arrangieren der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, die nie aufgehört hat, vom Sakrament des Büffels zu essen. Auf dem Brot der frühen Jahre und seinen hart gewordenen Krusten kaut Armin Petras herum, wenn er am Schauspiel Köln Ibsens Enthüllungsdrama «Die Wildente»...
