Hartes Brot

Ibsen «Wildente»

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Nicht versöhnt» hieß die Straub-Verfilmung von Heinrich Bölls «Billard um halb zehn» über das Sich-Arrangieren der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, die nie aufgehört hat, vom Sakrament des Büffels zu essen. Auf dem Brot der frühen Jahre und seinen hart gewordenen Krusten kaut Armin Petras herum, wenn er am Schauspiel Köln Ibsens Enthüllungsdrama «Die Wildente» ins Korsett der vergessensseligen jungen Bundesrepublik schnürt.

 

 

Auf Videos, die seitlich den papierenen Bühnenprospekt flankieren, flimmert links der nazistische «Untergang» an der Ostfront, während rechts im Bombenregen jener Wald abgefackelt wird, den der alte Ekdal in einer finanziell unseriösen Transaktion losgeschlagen hat und dafür büßen muss, indem er seine bürgerliche Reputation verlor. Sein Partner Werle «wusste von nichts». So repräsentiert er, von Michael Altmann in den Frack jovialer Bonhomie gekleidet, allgemeine Amnesie. Man wich brennenden Fragen aus, deutete eigene Schuld zu einem fremd verhängten Unglück um, zahlte «Wiedergutmachung» und bewerkstelligte ansonsten emsig den Aufstieg. Noch mal «jot jejange», wie man auf kölsch sagt. Wer da nicht mitmachte, vertrat Ansichten eines Clowns.

 

Als ob wir ...

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Theater heute August/September 2005
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Andreas Wilink

Vergriffen
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