Wörter statt Zahlen
«Die Zeit friert», schreibt Aglaja Veteranyi («Wörter statt Möbel», «Der gesunde Menschenversand», 2018). Die Tage ziehen sich in die Länge, sind doch viel zu kurz und fließen ineinander. Wer weiß schon, ob heute Montag ist oder Dienstag? So vieles Gewohntes gibt es plötzlich nicht mehr zu tun, so vieles Ungewohntes gibt es plötzlich zu tun.
Ein Stapel Bücher will gelesen werden, und doch ist die Zeit zum Lesen rar, zwischen neuen Aufgaben, neuen (digitalen) Formaten und diesem neuen Alltag aus Homeschooling und Zoomcalls.
Und wie sich so langsam alles fügt und eine kleine Normalität entwickelt, ist es immer wieder dieses kleine Werk, «Wörter statt Möbel», das in die Hände fällt. Manchmal nur für einen Satz. Manchmal für eine Satzfolge: «Sie stieg in ihre Heimat, die war so groß wie eine Schuhsohle, und begann wild zu tanzen. Alle, die vorbeikamen, blieben stehen, sie blieben stehen, aber nicht richtig, sondern zitterten von einer Straßenecke zur anderen.» Immer um kurz aus einer Gedankenwelt in eine neue zu reisen.
Bei Aglaja Veteranyi dürfen und können Wörter, was sie sonst nicht können. Sie malen Bilder und beschreiben Welten und Momente, die so noch nicht greifbar waren, und ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Lektüresommer, Seite 52
von Maria Milisavljević
Ulrike Syha In den letzten Monaten hat die Corona-Krise unser aller Leben, auch unser Arbeitsleben, bestimmt. Ihre Auswirkungen und die damit verbundenen Veränderungen im Kulturbereich werden das noch lange tun. Das gilt natürlich auch für uns Theaterautor*innen – obwohl ich manchmal glaube, dass uns die volle Wucht der Krise wohl erst im nächsten Kalenderjahr...
Der Kampf mit einem «unsichtbaren Feind» (Zitat u.a. Angela Merkel) bringt uns alle in Lebenssituationen, die gleichermaßen ungewohnt wie ungemütlich sind, und so fremdeln wir alle – mehr oder weniger elegant, mehr oder weniger gekonnt – mit dem «neuen Normal» der (Post-)Corona-Realität. Sichtbares Accessoire dieses Kampfes, gewissermaßen Signum der eigenen...
Karin Winkelsesser Herr Friedrich, Ihr Entwurf für die Erweiterung des Theaterhauses Stuttgart nimmt sich geradezu bescheiden aus. 2018 hat Ihr Büro die Machbarkeitsstudie für die Sanierung der Städtischen Bühnen in Frankfurt vorgelegt und einen Bedarf von 900 Millionen Euro ermittelt. Ein Neubau wäre wohl sehr viel preiswerter. Sie bemängeln immer wieder die...
