Wo warst du in jener Nacht?

Ein Fragment Erinnerung – in und jenseits von Teheran

Theater heute - Logo

Während ich diese Zeilen schreibe, weiß ich nicht, wie sich die Lage entwickeln wird. Was heute noch Gegenwart ist, kann beim Erscheinen dieses Textes bereits Geschichte sein. Oder eine Leerstelle. Oder nur noch Rauch.

Ich frage mich, ob die Erinnerung an Zeiten wie Krieg nicht auch ein kollektives Schreiben ist.

In den letzten Tagen habe ich Texte gelesen – von Freund:innen, die jahrelang in Gefängnissen saßen, zu Gesichtern der Opposition wurden, bis hin zu Filmkolleg:innen, die kaum politisch sichtbar waren.

Und ich sehe die Linie, die uns alle verbindet – jene zwischen denen, die von außen berichten, und jenen, die unmittelbar nah dran sind. Oder doch nicht?

Denn durch die Internetsperre im Iran drangen so gut wie keine Bilder und Videos nach draußen, und ich selbst musste meiner Familie berichten, was gerade im Land geschieht: welche Städte, welche Viertel bombardiert wurden.

Alle, die im Ausland leben – und auch jene, die nicht in unmittelbarer Nähe ihrer Eltern, Familien oder Freund:innen waren –, versuchten, die Menschen in Städten wie Teheran, der Hauptstadt mit über zehn Millionen Einwohner:innen, Isfahan oder Täbris zu überzeugen, diese zu verlassen, in den Norden zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Umbrüche, Seite 74
von Maryam Palizban

Weitere Beiträge
Der neue Pragmatismus

Theater heute Kürzlich hat die Schauspielerin Ursina Lardi in ihrer Dankesrede für den Silbernen Löwen in Venedig gesagt, man spreche immer weniger und nur noch mit Mühe vom Theater: «Das Theater, die Kunst erfahren gerade einen großen Bedeutungsverlust, und dabei geht es nicht allein um Kürzungen, nicht nur Geld wird der Kultur, den Kulturschaffenden entzogen,...

Flaschenpost aus einer nahen Zukunft

Sibylle Berg gehört zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autor:innen der Gegenwart. Ihre Stücke laufen an zahlreichen Stadttheatern, ihre Romane stehen regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Sie wurde vielfach ausgezeichnet. Neben ihrer literarischen Arbeit engagiert sie sich zunehmend politisch. Sie ist für Die PARTEI tätig und seit 2024 Mitglied des Europäischen...

Zurück zum Ganzen

Wie man in diesen Tagen gute Laune bekommt? Gar nicht. Es sei denn, man sieht und hört nicht, was in der Welt passiert. Wenn es unerträglich wird, wenn alles zu laut, zu düster, zu schnell und zu hoffnungslos erscheint, dann gibt es zwei Dinge, die mir ein wenig Trost geben.

Das Erste ist ein Spaziergang über den St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin. Ich bin in der...