Wo warst du in jener Nacht?
Während ich diese Zeilen schreibe, weiß ich nicht, wie sich die Lage entwickeln wird. Was heute noch Gegenwart ist, kann beim Erscheinen dieses Textes bereits Geschichte sein. Oder eine Leerstelle. Oder nur noch Rauch.
Ich frage mich, ob die Erinnerung an Zeiten wie Krieg nicht auch ein kollektives Schreiben ist.
In den letzten Tagen habe ich Texte gelesen – von Freund:innen, die jahrelang in Gefängnissen saßen, zu Gesichtern der Opposition wurden, bis hin zu Filmkolleg:innen, die kaum politisch sichtbar waren.
Und ich sehe die Linie, die uns alle verbindet – jene zwischen denen, die von außen berichten, und jenen, die unmittelbar nah dran sind. Oder doch nicht?
Denn durch die Internetsperre im Iran drangen so gut wie keine Bilder und Videos nach draußen, und ich selbst musste meiner Familie berichten, was gerade im Land geschieht: welche Städte, welche Viertel bombardiert wurden.
Alle, die im Ausland leben – und auch jene, die nicht in unmittelbarer Nähe ihrer Eltern, Familien oder Freund:innen waren –, versuchten, die Menschen in Städten wie Teheran, der Hauptstadt mit über zehn Millionen Einwohner:innen, Isfahan oder Täbris zu überzeugen, diese zu verlassen, in den Norden zu ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Umbrüche, Seite 74
von Maryam Palizban
Eine kurze Definition von Trauma könnte lauten: «eine Vergangenheit, die nicht vergeht». Sie vergeht nicht, weil sie in der Geschichte nicht überwunden und abgeschlossen wurde und damit nicht Teil der Vergangenheit geworden ist, sondern immer wieder zu einer neuen Gegenwart werden kann. Wenn es dazu kommt, zeigt das Trauma sein wahres Gesicht und wird zu einer...
Sommer, Stimmung, Umstand, Theater, heute, Text, Laune, jetzt: Gerade schreibe ich an meinem neuen Roman, das ist schon die Flucht nach vorn eigentlich, ganz klar, glaube ich, für mich, also: es ist für mich so: Das Schreiben ist politisch aufgeladen genug, kräftezehrend, im Zentrum eines Solarsystems, umkreist von einer wirren Irre, auch wenn Mensch händeringend...
Lapidarium» heißt die neueste Trilogie von Rainald Goetz. Nach «Krieg» und «Festung» hat der vielfach ausgezeichnete Ausnahmeautor, gefeiert für seine Weltbeobachtungen der Jetztzeit, erneut drei in Form und Inhalt unterschiedliche Werke unter eine Überschrift gestellt. Die Trilogie vereint die Stücke «Das Reich des Todes. Politische Theorie», «Baracke. Die...
