Wo warst du in jener Nacht?
Während ich diese Zeilen schreibe, weiß ich nicht, wie sich die Lage entwickeln wird. Was heute noch Gegenwart ist, kann beim Erscheinen dieses Textes bereits Geschichte sein. Oder eine Leerstelle. Oder nur noch Rauch.
Ich frage mich, ob die Erinnerung an Zeiten wie Krieg nicht auch ein kollektives Schreiben ist.
In den letzten Tagen habe ich Texte gelesen – von Freund:innen, die jahrelang in Gefängnissen saßen, zu Gesichtern der Opposition wurden, bis hin zu Filmkolleg:innen, die kaum politisch sichtbar waren.
Und ich sehe die Linie, die uns alle verbindet – jene zwischen denen, die von außen berichten, und jenen, die unmittelbar nah dran sind. Oder doch nicht?
Denn durch die Internetsperre im Iran drangen so gut wie keine Bilder und Videos nach draußen, und ich selbst musste meiner Familie berichten, was gerade im Land geschieht: welche Städte, welche Viertel bombardiert wurden.
Alle, die im Ausland leben – und auch jene, die nicht in unmittelbarer Nähe ihrer Eltern, Familien oder Freund:innen waren –, versuchten, die Menschen in Städten wie Teheran, der Hauptstadt mit über zehn Millionen Einwohner:innen, Isfahan oder Täbris zu überzeugen, diese zu verlassen, in den Norden zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Umbrüche, Seite 74
von Maryam Palizban
Man kann die Frage stellen, ob Zukunftsforschung überhaupt enden kann. Zukunft ist immer, auch morgen wieder. Für uns als künstlerisches Team des ITZ endet nun aber eine siebenjährige Etappe. Das «Institut für theatrale Zukunftsforschung» haben wir 2018 im Tübinger Zimmertheater gegründet. Das Akronym ITZ versteckt sich also sowohl im Programmatischen wie auch in...
ORPHEAI heißt die KI, die uns beobachtet, die uns liest, mitliest, uns analysiert und auswertet, die alles speichert, alle Daten und mehr und mehr Daten über uns – ein gefräßiges Monster, dass immer größer wird, das mit allen Daten, die es frisst, weiter wächst. Sie, die immer schon da ist, wo wir hinkommen, zu Hause, im Zug oder bei der Arbeit: «… das hier das dir...
Es soll sehr ernst sein, und auch sehr lustig. Bitte. Aber im Zweifelsfall ernst», wünscht sich Kim de l’Horizon in der Vorbemerkung für das neue Stück «Die kleinen Meerjungraun», und fährt fort: «Humor ist ein Schutzschild, ja. Und nicht nur Pop, please, aber ein bisschen bäängen darf’s schon. Es muss nix neu erfunden werden. Wir sind ja schon da. Wenn auch nicht...
