Ode an Rainald
Sommer, Stimmung, Umstand, Theater, heute, Text, Laune, jetzt: Gerade schreibe ich an meinem neuen Roman, das ist schon die Flucht nach vorn eigentlich, ganz klar, glaube ich, für mich, also: es ist für mich so: Das Schreiben ist politisch aufgeladen genug, kräftezehrend, im Zentrum eines Solarsystems, umkreist von einer wirren Irre, auch wenn Mensch händeringend um die Aufladung herumeiern will, die Ruhe wird gesucht, aber wie die aussieht: keine Ahnung, vielleicht wie Momente in einem Zwischenraum, zwischendrin, zwischendurch, vielleicht ja: lesen, wenn, also, was?, wenn also die
Welt brennt, das macht nun mal keinen Spaß, was dann?, dann: gab es da immer eine andere Form, Distraktion, Abstraktion, Dekonstruktion eines Ichs, die synthetische, die chemische Form von Spaß, die ich mir aber gerade bewusst raube, mich selbst da rausziehe, entziehe, kein Zauberstaub, kein Medikamentenkästchen, at least I try, der Versuch ist heilig, Ausrutscher heiligen die Mittel, für Stille im Kopf, ich bin ja aber wirklich weg von dem ganzen Zeug, also ja, nein, raus, raus, raus, die Herrlichkeit, Entbehrlichkeit von Manieren, Ehrlichkeit auf allen Vieren, jede Possibilität eine tiefe Schlucht, ein ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Cheering up, Seite 99
von Arad Dabiri
Ich fühle», sagt MR01 in Emre Akals neuem Text. «Ich fühle Sehnsucht. Ich fühle Liebe. Ich fühle Schmerz.» Eine Stimme, sanft, empathisch, ein Versprechen von Nähe. Doch was fühlt da wirklich? Wer spricht hier? MR01 ist kein einzelner Körper, keine fest umrissene Figur, sondern eine künstliche Intelligenz. Ein System, das sich materialisiert: als Mutter, als...
Ich musste an die Lebenswert-Liste des «jetzt»-Magazins denken. Eine Stichwort-Aufzählung von Gründen, weshalb diese Woche lebenswert sei. Die Liste speiste sich aus den Einsendungen junger Leser:innen und wurde in den neunziger Jahren jede Woche auf der letzten Seite des Magazins gedruckt. Für den unglücklichen Teenager, der ich war, war sie eher eine...
Cheering up? Wirklich? In einer Zeit, in der die Realität anmutet wie ein überproduziertes Endzeitdrama – nur ohne Pause, ohne Pointe? Die Gegenwart gleicht einem frontal entgleisten Schnellzug. Der Himmel: ein leerer Bildschirm. Die Luft: gesättigt mit Meinung, aber erschreckend arm an Haltung. Die Gesellschaft wühlt sich durch Debatten wie durch Schuttberge,...
