Wo verläuft die rote Linie?

Ein Gespräch mit dem Autor Kevin Rittberger über sein Stück «Schwarzer Block», rechte Gewalt, linke Militanz und einen bunten Antifaschismus

Eva Behrendt Sie haben ein Stück über den Schwarzen Block geschrieben, also über den Teil der Linken, dem Radikalität und Militanz zugeschrieben wird. Wie kam es dazu?

Kevin Rittberger Ich würde sagen, ich habe ein Stück über entschlossenen Antifaschismus geschrieben. Die Idee zum Stück entstand 2017 unmittelbar nach dem G20-Gipfel in Hamburg, wo über 31.000 Polizist*­innen die Chefs der größten Wirtschaftsmächte vor 80.000 Demonstrierenden abschirmten.

Der Schwarze Block war damals der Diskussionsanker, nicht nur in der Öffentlichkeit als Fokus der Dämonisierung und Kriminalisierung von linkem, antikapitalistischem Protest, sondern auch innerhalb der Linken, als Frage, wie funktionstüchtig oder effizient der Schwarze Block noch ist. Er ist ja auch ein Phantom, ein inflatable object – es gab in Hamburg tatsächlich überdimensionale schwarze und silberne Luftwürfel, mit denen die Demonstranten quasi ironisch über ihren Köpfen spielten.

EB Ich erinnere mich offen gestanden vor allem an ein im Netz kursierendes Video, indem schwarz vermummte Demonstranten in den frühen Morgenstunden Autos oder Schaufensterscheiben zertrümmern ...

KR Der Chronologie nach war das aber schon eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2020
Rubrik: Das Stück, Seite 44
von

Weitere Beiträge
Film: Neue Selbstverständlichkeit

Neue Selbstverständlichkeit› heißt, das Trauma zu überwinden, nicht vorgesehen zu sein», erklärt das Manifest, das der Performancekünstler Tucké Royale Anfang des Jahres bei der Preisverleihung des 41. Filmfestivals Max Ophüls Preis vorlas. Dort wurde ihm für das Buch und seine Hauptrolle in «Neubau» der Preis für den gesellschaftlich relevanten Film verliehen und...

Stuttgart Staatsschauspiel: Nackig vor der Maklerin

Eins ist vorhersehbar in Thomas Melles neuem Stück «Die Lage»: dass sie irgendwann völlig nackt dastehen, all die verzweifelten Menschen, die sich um überteuerte Wohnungen in totsaniertem Altbau oder Neubauten mit Parkblick bewerben. Persönliche Gefühle und alle Daten haben sie da im Bewerbungscasting schon preisgegeben, Schnarchtest und Orgasmussimula­tion hinter...

Neue Stücke · Aufführungen (11/2020)

Neue Stücke

Akin Emanuel Sipal hat beides: einen türkischen und eine deutschen Vornamen. Sein Stück «Mutter Vater Land» erzählt in lakonischen Sprüngen die Geschichte (s)einer türkisch-deutschen Künstler*innenfamilie im 20. Jahrhundert, forscht nach Heimat und Zugehörigkeit. Frank Abt, der sich als Spezialist für Dramatisierungen autofiktionaler Romane schon an...