Widersprüche der Macht
Selten so einen muffeligen Dorfrichter Adam gesehen: keine Pirouetten auf der spiegelglatten Glatze, kein Brandauer-artiges heiteres Pointenschnappen, kein Großkomödianten-Rüsseln im Rollenfuttertrog. Werner Wölbern hat sich sogar die legendäre Glatze versagt, jenes untrügliche Dorfrichter-Signal für den bei Kleist im Grunde keineswegs unsympathischen Schwerenöter, der sich mit tollkühnen Lügengespinsten wenigstens den Job retten will, wenn die Beischlaf-Erpressung mit Eve Rull schon so schmerzhaft misslungen ist.
Kleists Komödienklassiker vom «Zerbrochnen Krug» ist dabei nicht erst seit #MeToo kein lässlicher Spaß, und wer schon einmal darüber gelacht hat, sollte vielleicht besser noch einmal genauer überlegen, wie es dazu kam.
Oliver Helf hat als Reflexionshilfe dafür im Staatsschauspiel Hannover eine hell erleuchtete, von leicht verkanteten Holzwänden umstellte schmucklose Bühne gebaut mit ein paar nüchtern zusammengestellten Bürotischen. Die Schauspieler tragen unauffälliges Gegenwartskostüm (Ute Lindenberg); mehr Understatement, weniger deutsch-niederländisches Lokalkolorit gehen kaum. Kleists auftrumpfend lustspielhafter Komödienmechanismus vom zähen Verbergen und langsamen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille
Reisebeschränkungen? Übernachtungsverbote? Da loben wir uns doch das Stadttheater an seinem Ort: Wichtige Inszenierungen in Basel, Berlin, Frankfurt, München, Wien u.a.
Taner Sahintürk wäre fast Profifußballer bei Schalke 04 geworden. Was ein großes Pech für das Berliner Maxim Gorki Theater gewesen wäre: ein Porträt
Buchempfehlungen nicht nur für Weihnachten: zum...
Das britische Theater liegt immer noch brach. Seit inzwischen fast acht Monaten. Abgesehen von einer Handvoll sommerlicher Outdoor-Produktionen, Solo-Abenden und Mini-Projekten lief und läuft nichts, im Westend flattern verwitterte Poster der Stücke vom März.
Nach Regierungsankündigung eines finanziellen Kultur-Rettungspakets im Juli – ohnehin schon drei Monate zu...
«Jakob Lenz hätte Büchner als Freund haben müssen», schreibt Sigrid Damm, als sie 1987 die erste Lenz-Gesamtausgabe herausgibt. Leider war Lenz seit über 40 Jahren tot, als der junge Kollege Büchner auf dessen Werk stieß. Dennoch ist Büchner «der Erste, der das Ungewöhnliche von Struktur, Gestus und Weltsicht seiner Dramen begreift». Lenz’ «Soldaten» wurden zur...
