Widersprüche der Macht

Am Staatsschauspiel Hannover wird Herrschaft verhandelt mit Kleists «Der zerbrochne Krug», Schillers «Don Karlos» und Wolfram Lotz’ «Die Politiker»

Selten so einen muffeligen Dorfrichter Adam gesehen: keine Pirouetten auf der spiegelglatten Glatze, kein Brandauer-artiges heiteres Pointenschnappen, kein Großkomödianten-Rüsseln im Rollenfuttertrog. Werner Wölbern hat sich sogar die legendäre Glatze versagt, jenes untrügliche Dorfrichter-Signal für den bei Kleist im Grunde keineswegs unsympathischen Schwerenöter, der sich mit tollkühnen Lügengespinsten wenigstens den Job retten will, wenn die Beischlaf-Erpressung mit Eve Rull schon so schmerzhaft misslungen ist.

Kleists Komödienklassiker vom «Zerbrochnen Krug» ist dabei nicht erst seit #Me­Too kein lässlicher Spaß, und wer schon einmal darüber gelacht hat, sollte vielleicht besser noch einmal genauer überlegen, wie es dazu kam.

Oliver Helf hat als Reflexionshilfe dafür im Staatsschauspiel Hannover eine hell erleuchtete, von leicht verkanteten Holzwänden umstellte schmucklose Bühne gebaut mit ein paar nüchtern zusammengestellten Bürotischen. Die Schauspieler tragen unauffälliges Gegenwartskostüm (Ute Lindenberg); mehr Understatement, weniger deutsch-niederländisches Lokalkolorit gehen kaum. Kleists auftrumpfend lustspielhafter Komödienmechanismus vom zähen Verbergen und langsamen ...

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Theater heute November 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille

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