Wo bleibt das genervte Stöhnen

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Ich gestehe: Ich habe auch gekocht beim Streaming-Gucken. Zumindest bei meinen eigenen Inszenierungen, wenn ich an den Abenden nicht im Theater war, sondern zu Hause. Dann haben meine Frau und ich den Laptop schon mal in der Küche aufgestellt. Seien wir ehrlich: Eine gestreamte Vorstellung verführt dazu, dass man zwar «reinschaut», aber nicht richtig hinschaut. Nicht wie im Theatersaal.

Am Schauspielhaus Bochum haben wir etliche Inszenierungen als Geistervorstellungen vor leerem Saal gespielt und live gestreamt.

Wir haben im Dezember begonnen, erst einmal bei freiem Eintritt, zum Beispiel «King Lear», wofür sich 1600 Menschen angemeldet hatten, und später dann mit einem gestaffelten Preissystem, wo unser Publikum auch seine aufgestauten Abo-Gutscheine einlösen konnte. Es ging darum, den Kontakt zum Publikum nicht abreißen zu lassen. Es ging darum, etwas zurückzugeben. Es ging darum zu zeigen, was wir mit unserer Kunst erzählen wollen. Es ging auch darum, den «Betrieb Theater» lebendig zu halten. 

Es hat auch Spaß gemacht. Sich zu überlegen, wie eine kamerataugliche Adaption einer Inszenierung sein müsste. Wir alle kennen die hochprofessionellen Fernsehaufzeichnungen von ...

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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 96
von Johan Simons

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