Der Mensch ist verrückt geworden
Ist die Zeit gerast oder stand sie still? Wann ist Zeit zu Halbwertzeit geworden, die (nicht nur nuklearen) Verfall markiert? War vor dem Anfang schon das Ende da? Diese Fragen stellt sich die göttliche Dreifaltigkeit in Miroslava Svolikovas Stück, in dem, titelgebend, Gott drei Frauen ist. Sie schauen auf die Erde, die ökologisch und mental am Ende zu sein scheint, und mit ihr die gesamte Schöpfung. Wenn das alles gewesen sein soll, ist es ziemlich misslungen. Seltsamerweise wird das Desaster eher lakonisch von ihnen beschrieben und zur Kenntnis genommen. «blau und grün, seht ihr.
hier geht die sonne auf, hier geht sie unter. hier ist es schön, aber hier tut schon wieder jemandem etwas weh.» «ich seh überhaupt nur schmerz, wenn ich da hinunter schau.»
Wem die Schuld geben für das Elend, auf wen den sprichwörtlichen ersten Stein werfen, den jede der drei in Händen hält, um sich damit als Schöpfende selbst aus der Verantwortung zu ziehen? Das uralte Problem, wie sich die Allmacht und Güte des Göttlichen angesichts des Leids in der Welt rechtfertigen lässt, hat auch bei den Dreien Spuren hinterlassen. Sie legen die Steine erstmal ab, auf die Erde, die unter dieser Last sich selbst ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 158
von Remsi Al Khalisi
Eine meiner Lieblingsanekdoten stammt von meinem Freund Jonas. Sein Ein-Personen-Klassenzimmer-Stück dauert etwa 45 Minuten, danach folgt ein ebenso langes Gespräch mit allen Schüler:innen in großer Runde. Reihum soll jede:r erzählen, woran sie bzw. er sich erinnern kann. Nach ein paar mehr oder weniger wortreichen Beschreibungen kommt ein Junge im schwarzen...
Matthew Lopez' zweiteiliges Bühnenepos «Das Vermächtnis», inspiriert von Motiven aus E. M. Forsters 1910 erschienenem Gesellschaftsroman «Howards End», beginnt mit dem, was jedem Erzählen vorausgeht. Am Anfang ist der Drang – ein Impuls, eine durch und durch körperlich empfundene Regung. Noch vor dem ersten Wort drängt etwas, drängt zu erzählen. Und so tasten sich...
Eine Schnapsidee war es nicht. Aber Weißweinschorle war im Spiel am Abend der Initialzündung, räumt Cosmea Spelleken ein. «Im ersten Lockdown saß ich mal mit einer befreundeten Schauspielerin zusammen, und wir waren uns einig: Wenn wir noch einmal online zusehen, wie Schauspieler vor ihrer Laptop-Kamera Märchen vorlesen, dann schreien wir.» Ja, klar, die Bühnen...
