Wir waren immer schon da
Wir sind schon da» – unter diesem Titel outeten sich Anfang Februar 2021 185 deutsche Schauspieler:innen im «SZ»-Magazin als lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, queer, inter und non-binär, und forderten mehr Anerkennung in Theater, Film und Fernsehen. «Wir gehen nun gemeinsam den Schritt an die Öffentlichkeit, um Sichtbarkeit zu schaffen», heißt es im Manifest #ActOut, das in 24 Sprachen übersetzt wurde.
Um Sichtbarkeit geht es auch den Herausgeber:innen Jenny Schrödl und Eike Wittrock in ihrem Tagungsband «Theater* im queeren Alltag und Aktivismus der 1970er und 1980er Jahre», der im Neofelis Verlag erschienen ist. Denn theaterwissenschaftlich betrachtet nimmt Queerness eine nur marginale Rolle ein, «es fehlt sowohl an theoretischer Reflexion wie auch an historischen Beispielen und Forschun -gen», obwohl das Spiel mit Geschlechterrollen und sexuellen Identitäten in den 1970er und 1980er Jahren bereits durchaus verbreitet war. Zumal sich in den 70ern vor allem in Westdeutschland eine selbstbewusste Les -ben- und Schwulenbewegung gegründet hatte, die engagiert für ihre Rechte eintrat – in den 80ern dann allerdings bald wieder durch AIDS bedroht und gesellschaftlich stigmatisiert ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: Bücher, Seite 48
von Anja Quickert
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Der Anfang einer Liebesgeschichte im Iran während der schiitischen Trauerrituale könnte so verlaufen: Es ist «Moharram», der erste Monat des nach Mondjahren rechnenden islamischen Kalenders. Wir sind am Rande einer Metropole. Weiße Maulbeerbäume, massive Rohbauten und vollgestellte Onkel-Mammad-Läden fallen ins Auge. Eine Prozession nach der anderen schiebt sich...
