Wir Sklavenhal­ter*innen

Über uns, die wir es sogar noch schaffen, unsere mörderische Faulheit als Nachhaltigkeit zu verkaufen

Was wird anders nach Corona? Angesichts der Entscheidungen, die wir als demokratische Staaten bereits getroffen haben: rein gar nichts. Milliardenhilfen wurden für jene Sektoren beschlossen, die an der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen den entscheidenden Anteil hatten. Sie können ihre Arbeit nun zu Ende führen: Fluggesellschaften, Erdöl- und Autokonzerne. Natürlich haben die gleichen Regierungen sich auch für Finanzhilfen für weniger systemrelevante Sektoren entschlossen, etwa die Theater.

Aber das ist Solidaritäts-Deko, denn auch hier sind es die Großen, die von den Finanzhilfen strukturell am meisten profitieren.

Was mich persönlich angeht, so hat etwa meine eigene Theatercompagnie, das International Institute of Political Murder, den Lockdown gerade so knapp überlebt. Das staatliche NTGent mit seinen vier Sälen und 100 festen Mitarbeiter*innen aber, das ich leite, hat aufgrund der flämischen Rettungspläne sogar Geld dazugewonnen. Natürlich lassen wir so viel davon wie möglich zu den Künstler*innen fließen, deren Vorstellungen ausgefallen sind. Das ist aber eine recht einsame Ausnahme, eine Geste. Denn die Regel im Theaterbetrieb lautet vor wie nach Corona: Wer nicht ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 40
von Milo Rau