«Wir haben mit unseren Mündern ihre Melodien gepfiffen»

Nach sexfreudig fundamentalistischen Muslimas haben sich Günter Senkel und Feridun Zaimoglu unter illegalen Einwanderern umgesehen und umgehört. Ein Gespräch über ihre Gespräche, über die Freiheit der Dokumentation und die harte Grenze der Legalität Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu, geb. 1964 in Bolu/Türkei, lebt seit 1965 in Deutschland und seit 1985 in Kiel. Dort begegnete er Günter Senkel, geb. 1958 in Neumünster, der nach abgebrochenen Physikstudium und Tätigkeit als Buchhändler seit 1997 gemeinsam mit Zaimoglu Drehbücher, Theaterstücke und Dramenbearbeitungen verfasst. Das ungleiche Paar ergänzt sich vortrefflich. Ihr neues Stück «Schattenstimmen» liegt vollständig abgedruckt diesem Heft bei

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THSie arbeiten schon länger für Theater, haben zum Beispiel «Othello» übersetzt oder «Lulu» bearbeitet und vor zwei Jahren mit «Schwarze Jungfrauen», einer Art Interview-Montage, ein neues dokumentarisches Format entwickelt. Ähnlich ist «Schattenstimmen» entstanden, worin es nicht um fundamentalistische Muslimas, sondern um illegale Einwanderer geht. Aber in beiden Fällen sind es von ihnen geführte und bearbeitete Gespräche mit – um es im korrekten Parteien­politdeutsch zu sagen – Menschen mit Migrationshintergrund.

Feridun Zaimoglu(lacht) Ich kotze gleich.

Wenn ich das höre, muss ich immer zuerst an meinen deutschen Vordergrund denken. Es ist ein Begriff aus dem Soziologieseminar, sicher nett gemeint, aber dabei schwingt immer die Frage nach kultureller Authentizität mit. Und die Frauen der «Schwarzen Jungfrauen» oder die Männer und Frauen der «Schattenstimmen» beschäftigt keinesfalls die Frage, wie authentisch sie sind. Diese Frauen haben keine Identitätsprobleme, sie lachen über säkulare Männer und Frauen, die Identitätskrisen ins Feld führen, um daraus eine Theorie der Integration oder der Separation abzuleiten. Es sind Bekenner, und ich war der Protokollant ihrer zuweilen ...

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Theater heute Juli 2008
Rubrik: Akteure, Seite 46
von Eva Behrendt, Franz Wille

Vergriffen
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