Höllentour zurück aufs Sofa
«In der Sonne Italiens werde ich die theoretische Unannehmbarkeit der Existenz vielleicht vergessen.» Mit existenzialistischer Emphase verlässt der Abiturient Gert seine kriegsverwitwete Mutter im Trümmerdeutschland anno 1948. Ins Schlepptau nimmt er seinen Gesinnungs-kameraden und Nietzsche-Leser Foss sowie zwei ebenso dekorative wie selbstfindungsförderliche Mädel: Adi, ein materialistisches Luxusmäuschen, und die naiv religiöse Creszenz. Weit aber kommt diese Expedition nicht.
Denn Ferdinand Bruckners Bühnenrarität «Früchte des Nichts» (1951), die den Zyklus «Jugend zweier Kriege» beschließt, ist zwar auf eine Bildungsparabel angelegt (Italien!), sucht diese aber vor der eigenen Haustür. Gert bringt einen Chauffeur um und scheitert am Versuch, diese Tat als existenzialistischen Erweckungsakt zu fassen. In Creszenz’ Gläubigkeit findet er bald Ansätze zu einem positiven, verantwortungsbetonten Lebensbegriff, der ihn schließlich zur Mutter und – halb resigniert, halb frischen Muts – in den Schoß der Justiz zurückführt. Einverständnis mit der aufbaubereiten Nachkriegsgesellschaft wird Programm.
Sebastian Schug, eine der neuen Regiehoffnungen (Jahrgang 1979), legt den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mit der Bildenden Kunst verhält es sich nicht anders als mit dem Theater. Im entscheidenden Augenblick ist auch sie davon abhängig, wann und wo sie gezeigt wird. Auch ihr Erfolg hängt wesentlich vom Kontext ab. Das gilt für einzelne Arbeiten oder Installationen ebenso wie für eine monografische Werkschau, wie sie jetzt in Halle an der Saale gezeigt wird: «Einar...
Juchzen ist verräterisch. So ein Urlaut aus tiefster Kehle enttarnt den bravsten Jüngling als Seelenverwandten brünftiger Rothirsche. Urs Peter zum Beispiel, ein blonder Mittdreißiger, hätte sich ebenso gut den Sommeranzug vom fülligen Wohlstandsleib reißen und den Fellschurz entblößen können. Aber nein, er steht starr an der Rampe und juchzt. Das passt zum Sujet...
Seit Detlev Bucks «Wir können auch anders» (1993) haben jedenfalls viele Filmemacher ihre Westernsehnsucht im deutschen Nordosten ausgetobt, zuletzt Pepe Planitzer (Jahrgang 1969), dessen «Alle Alle» (2007) jetzt in die Kinos kommt. Das Drehbuch geht auf Oliver Bukowskis Theaterstück «Burnout» von 1992 zurück: verrückte Zeiten, damals kurz nach der Wende. Und es...
