Der notwendige Luxus
Theater heute«Bunnyhill», das Projekt der Münchner Kammerspiele, das sich 2004 mit der Situation Münchner Jugendlicher im «Problembezirk» Hasenbergl beschäftigte, war die Initialzündung für den Fonds «Heimspiel» der Bundeskulturstiftung. Dieser Fonds fördert Projekte im Stadttheater, die sich explizit auf ihr soziales Umfeld und neue Publikumsschichten beziehen. Sie, Björn Bicker, waren als Dramaturg, und Sie, Peter Kastenmüller, als Regisseur die «Erfinder» dieses Formats.
Wie sind Sie eigentlich darauf gekommen?
Björn BickerWir waren seit zwei Jahren in München an den Kammerspielen und dachten darüber nach, wie wir in der Stadt wirklich ankommen können, uns ein Publikum, vielleicht auch ein anderes, erobern können. Es hatte ja einige Wanderbewegungen unter den Zuschauern gegeben, als Dieter Dorn ans Residenztheater wechselte. Parallel dazu überlegte Peter Kastenmüller, wie er die Geschichte von Mehmet, dem jungen türkischen Intensivstraftäter, der 1998 abgeschoben wurde, auf die Bühne bringen könnte. Darüber wollten wir zunächst einfach ein Stück machen, haben aber schnell gemerkt, dass wir die Lebenswelten gar nicht kannten. Dann haben wir angefangen, im Stadtteil Hasenbergl zu ...
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Theater heute Juli 2008
Rubrik: Theater für alle, Seite 26
von Eva Behrendt, Barbara Burckhardt, Franz Wille
Ein Jude, ein Muslim, ein Christ treten ins kalte Licht einer nackten Bühne. Anlässe zur Zwietracht finden sich schnell, doch so richtig bricht der Streit los, als eine namenlose Leiche vom Himmel fällt: Jeder besteht darauf, den Toten nach seinen Ritualen zu bestatten. Die Mundwinkel des Juden beben vor Zorn, der Muslim hebt die Faust. Gleichermaßen vehement wie...
Juchzen ist verräterisch. So ein Urlaut aus tiefster Kehle enttarnt den bravsten Jüngling als Seelenverwandten brünftiger Rothirsche. Urs Peter zum Beispiel, ein blonder Mittdreißiger, hätte sich ebenso gut den Sommeranzug vom fülligen Wohlstandsleib reißen und den Fellschurz entblößen können. Aber nein, er steht starr an der Rampe und juchzt. Das passt zum Sujet...
Kurz vor der Premiere muss Richard III. doch noch überstürzt zum Friseur gelaufen sein. Auf den Probenfotos im Programmheft trägt er noch Seitenscheitel zum halblang glatten Haar – wie ein pummeliger Oscar Wilde, der zu lange in den Spiegel geschaut hat. Zum Burgtheater-Rosenkriegsfest erschien er dann allerdings mit kurzem, wildem Stoppelschnitt. So sehen...
