Finale mit Kuss
Die Finnlandisierung der Welt macht bei Kaurismäki auch vor dem Vereinigten Königreich nicht halt – sein London könnte auch Helsinki sein. Für «I Hired a Contract Killer» hatte der Regisseur 1990, im letzten Herrschafts-jahr der Misses Thatcher, den Kanal überquert – das feuchte England und der trockene britische Humor sind seinem Wesen irgendwie verwandt.
Nachdem Henri Boulanger seinen Job verloren und das Leben für ihn keinen Sinn mehr hat, will er sich umbringen, mit einem Strick um den Hals oder mit dem Kopf im Backofen, was an morschen Wänden und am Streik der Gaswerke scheitert. Also heuert er bei der Russenmafia jemanden an, der die Tat an ihm vollbringen soll. Aber der Auftragskiller ist selbst in der Bredouille, er hustet sich die Lunge aus dem Leib. Boulangers absurde und doch schlüssige Erklärung für seinen Sterbewunsch fasst den minimalistischen Kaurismäki-Humor zusammen: «personal reasons». Just im letzten Moment lernt er aber Margaret kennen und beginnt, das Leben zu mögen. Aber der gedungene Mörder will sein Geschäft zu Ende bringen.
Natürlich ist die Geschichte ein einziger Witz. Den Exilfranzosen Boulanger spielte im Kino Jean-Pierre Léaud, der Pechvogel als ...
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Seit Detlev Bucks «Wir können auch anders» (1993) haben jedenfalls viele Filmemacher ihre Westernsehnsucht im deutschen Nordosten ausgetobt, zuletzt Pepe Planitzer (Jahrgang 1969), dessen «Alle Alle» (2007) jetzt in die Kinos kommt. Das Drehbuch geht auf Oliver Bukowskis Theaterstück «Burnout» von 1992 zurück: verrückte Zeiten, damals kurz nach der Wende. Und es...
Juchzen ist verräterisch. So ein Urlaut aus tiefster Kehle enttarnt den bravsten Jüngling als Seelenverwandten brünftiger Rothirsche. Urs Peter zum Beispiel, ein blonder Mittdreißiger, hätte sich ebenso gut den Sommeranzug vom fülligen Wohlstandsleib reißen und den Fellschurz entblößen können. Aber nein, er steht starr an der Rampe und juchzt. Das passt zum Sujet...
Theater heute«Bunnyhill», das Projekt der Münchner Kammerspiele, das sich 2004 mit der Situation Münchner Jugendlicher im «Problembezirk» Hasenbergl beschäftigte, war die Initialzündung für den Fonds «Heimspiel» der Bundeskulturstiftung. Dieser Fonds fördert Projekte im Stadttheater, die sich explizit auf ihr soziales Umfeld und neue Publikumsschichten beziehen....
