«Wir haben doch Gruppe!»

In Behandlung gehen oder lieber nicht? Luk Perceval verordnet Gorkis «Kindern der Sonne» am Hamburger Thalia Theater Schweigemeditationen und Rede-Kuren – Simon Stephens’ Amokläufer aus «Punk Rock» bleibt am Schauspielhaus untherapiert

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Die Truppe, die da ihren Feierabend auf einem Kreativität simulierenden Tapeziertisch im Hamburger Thalia Theater abhockt, könnte direkt von einem Ayurveda-Kurs aus Berlin-Prenzlauer Berg weggecastet sein. Wie in einem Standbild eingefroren, schauen die Anzug-, Goldfummel- und Blumenkleidträger/innen erst mal minutenlang stumm ins Publikum.

Einzig die stehende Kopftuch-Seniorin – offenbar ein Opfer prekärer Schwarzarbeitsverhältnisse – muss sich unermüdlich an den Farbeimern zu schaffen machen und eine zwischen zwei Papierrollen gespannte Leinwand, die sich im Laufe der Aufführung langsam von links nach rechts bewegt, mit einer naiven Kindergarten-Sonne bepinseln.

Nach gefühlten zehn Minuten klingelt das Handy eines korpulenten Anzugträgers (Josef Ostendorf). «Nein, ich kann heute nicht», flüstert er schuldbewusst ins Gerät. «Wir haben doch Gruppe: Meditatives Schweigen.»


Der lange Weg zum neuen Menschen

Weil es sich bei dem Dutzend Klienten auf Katrin Bracks Bühne aber offenbar um besonders hartnäckige Fälle handelt und eine therapeutische Einzelmaßnahme bei weitem nicht reicht, rafft sich die Schweigegruppe in den folgenden zwei Stunden von Luk Percevals Gorki-Bearbeitung «Kinder ...

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Theater heute Mai 2010
Rubrik: Aufführungen / Neue Stücke, Seite 38
von Christine Wahl

Vergriffen
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