Willkommen im großen Zaudern

Svenja Viola Bungarten «Maria Magda»

Theater heute - Logo

Es ist nicht so, dass es keine männliche Rolle gäbe in Svenja Viola Bungartens neuestem Stück «Maria Magda» mit dem sie den deutschsprachigen Wettbewerb des Heidelberger Stückemarkts 2021 gewonnen hat. Eine gibt es schon, bei der es zumindest dramaturgisch verschenkt wäre, sie nicht mit einem Mann zu besetzen: Die Rede ist von Gott. Und der muss für einiges herhalten in dem fantastischen, assoziativen, theoriesatten dritten Theatertext der jungen Autorin, der gleich sechs unterschiedliche Schlüsse aneinanderreiht. «Maria, du kleine Bitch.

Weil ich ein Gott bin, werde ich dich vergewaltigen …» – so beginnt der göttliche Schlussmonolog und endet unzweideutig mit den Worten: «Und jetzt füge dich meinem Willen oder willst du dich deinem Gott widersetzen.» 

Die Antwort auf diese selbstherrliche und von Gott ausschließlich rhetorisch gemeinte Frage lautet natürlich: Ja, Maria möchte sich Gott widersetzen. Und nicht nur Maria, Magda auch. Und Hildie. Und die Oberschwester. Und Ma Donna Ha. Und überhaupt alle Frauen, die in Bungartens Text nach und nach auftauchen. «Wer die Geschichte hat, hat die Macht!», lautet der zentrale Satz in «Maria Magda», und eines wird schnell klar: Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 143
von Lena Grösch und Holger Schultze

Weitere Beiträge
Am digitalen Lagerfeuer

Mein intensivstes Theatererlebnis in dieser unglaublich schweren Spielzeit, die jetzt endlich zu Ende geht, hatte ich nicht im Theater, sondern vor dem Bildschirm. Und mit Bildschirm meine ich in diesem Fall tatsächlich den des Smartphones. Es waren die letzten Momente eines Events des twitch-Streamers Ludwig Ahrgren, das unter dem Namen «Subathon» googlebar ist...

Am Gelde hängt doch alles

Im Jahr 1916 erscheint Franziska Gräfin zu Reventlows Buch «Der Geldkomplex». Es spielt in einem Setting, das wir von Thomas Manns acht Jahre später erschienenem «Zauberberg» gut kennen: einem Sanatorium. Reventlows Hauptfigur leidet, ähnlich wie die Autorin, an permanenter Geldknappheit. Nach neuestem medizinischen Wissensstand der Freudschen Psychoanalyse wird...

«Nicht reden, einfach weitermachen»

Da war doch was. Richtig, ganz links hinten im Keller, dort, wo die alten abgelegten Selbstfeiern von Intendanten (damals in aller Regel männlich) lagern, die sich in dicken Büchern nach fünf Jahren Amtszeit eine «Ära» bescheinigt und in teuren Prachtbänden eingesargt haben, da wartet er geduldig, der einsame, graue Diamant. «War da was?» hieß demonstrativ...