Willkommen im großen Zaudern
Es ist nicht so, dass es keine männliche Rolle gäbe in Svenja Viola Bungartens neuestem Stück «Maria Magda» mit dem sie den deutschsprachigen Wettbewerb des Heidelberger Stückemarkts 2021 gewonnen hat. Eine gibt es schon, bei der es zumindest dramaturgisch verschenkt wäre, sie nicht mit einem Mann zu besetzen: Die Rede ist von Gott. Und der muss für einiges herhalten in dem fantastischen, assoziativen, theoriesatten dritten Theatertext der jungen Autorin, der gleich sechs unterschiedliche Schlüsse aneinanderreiht. «Maria, du kleine Bitch.
Weil ich ein Gott bin, werde ich dich vergewaltigen …» – so beginnt der göttliche Schlussmonolog und endet unzweideutig mit den Worten: «Und jetzt füge dich meinem Willen oder willst du dich deinem Gott widersetzen.»
Die Antwort auf diese selbstherrliche und von Gott ausschließlich rhetorisch gemeinte Frage lautet natürlich: Ja, Maria möchte sich Gott widersetzen. Und nicht nur Maria, Magda auch. Und Hildie. Und die Oberschwester. Und Ma Donna Ha. Und überhaupt alle Frauen, die in Bungartens Text nach und nach auftauchen. «Wer die Geschichte hat, hat die Macht!», lautet der zentrale Satz in «Maria Magda», und eines wird schnell klar: Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 143
von Lena Grösch und Holger Schultze
Neulich lag ich im Bett mit zwei Chilenen, einer Brasilianerin, einer älteren Indonesierin, einem Pärchen aus Los Angeles und ein paar Russen. Wir hörten Madhusree zu, wie sie ein altes bengalisches Lied sang. Bei ihr in Kalkutta war es spät in der Nacht, und selbst bei Sunny, die mittlerweile in Talinn lebt, war durch das Fenster draußen schon die esthnische...
Die Einzelvoten finden Sie in diesem PDF.
Im Dezember 2020 unternehmen vier österreichische Autorinnen einen Roadtrip durch die pandemiegelähmte Schweiz. Im Gepäck haben sie einen sorgsam ausgearbeiteten Reiseplan, Gnocchi und Tomatensauce, wahrscheinlich ein paar Flaschen Alkohol – und eine Gummipuppe, männlich. Es soll ein Selbsterfahrungstrip werden, eine Reise in die Vergangenheit und die kollektiven...
