Am digitalen Lagerfeuer
Mein intensivstes Theatererlebnis in dieser unglaublich schweren Spielzeit, die jetzt endlich zu Ende geht, hatte ich nicht im Theater, sondern vor dem Bildschirm. Und mit Bildschirm meine ich in diesem Fall tatsächlich den des Smartphones. Es waren die letzten Momente eines Events des twitch-Streamers Ludwig Ahrgren, das unter dem Namen «Subathon» googlebar ist und vermutlich im Guiness-Buch der Rekorde auftauchen wird, wenn es sowas wie das Guiness-Buch überhaupt noch gibt.
Ahrgren ist einer der bekanntesten Live-Streamer auf der zu Amazon gehörenden Streamingplattform twitch – täglich kann man ihm gemeinsam mit 20.000 anderen dabei zusehen, wie er in seinem Zimmer sitzt und Computerspiele spielt. Manchmal spielt Ahrgren auch nicht, sondern unterhält sich einfach mit seinen Zuschauer:innen, «Just chatting» heißt das dann auf twitch.
Am 14. März dieses Jahres jedenfalls startete Ahrgren seinen Stream unter einer simplen Prämisse: Rechts oben im Streamingbild war eine Stoppuhr eingeblendet, die 30 Minuten anzeigte. Nach Ablauf dieser Zeitspanne würde Ahrgren, der ansonsten täglich mehrere Stunden online ist, seinen Stream beenden. Seinen Zuschauer:innen aber gab er die ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Streaming, Seite 90
von Christopher Rüping
Ist die Zeit gerast oder stand sie still? Wann ist Zeit zu Halbwertzeit geworden, die (nicht nur nuklearen) Verfall markiert? War vor dem Anfang schon das Ende da? Diese Fragen stellt sich die göttliche Dreifaltigkeit in Miroslava Svolikovas Stück, in dem, titelgebend, Gott drei Frauen ist. Sie schauen auf die Erde, die ökologisch und mental am Ende zu sein...
Am 6. Februar 2017 betritt Christine nachmittags einen Supermarkt. Neun Monate war sie trocken. Bei dem Versuch, eine Flasche Wodka aus dem Getränkeregal zu holen, stirbt sie an einer Gehirnblutung. Im Moment ihres Todes lässt Christine ihr Leben Revue passieren. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in der nordenglischen Provinz, träumte sie davon, Rudolf Nurejew zu...
Da war doch was. Richtig, ganz links hinten im Keller, dort, wo die alten abgelegten Selbstfeiern von Intendanten (damals in aller Regel männlich) lagern, die sich in dicken Büchern nach fünf Jahren Amtszeit eine «Ära» bescheinigt und in teuren Prachtbänden eingesargt haben, da wartet er geduldig, der einsame, graue Diamant. «War da was?» hieß demonstrativ...
