«Nicht reden, einfach weitermachen»
Da war doch was. Richtig, ganz links hinten im Keller, dort, wo die alten abgelegten Selbstfeiern von Intendanten (damals in aller Regel männlich) lagern, die sich in dicken Büchern nach fünf Jahren Amtszeit eine «Ära» bescheinigt und in teuren Prachtbänden eingesargt haben, da wartet er geduldig, der einsame, graue Diamant. «War da was?» hieß demonstrativ bescheiden die Bilanz des einzigen ernstzunehmenden Mitbestimmungsversuchs im Theater der alten Bundesrepublik, des Schauspiels Frankfurt am Main von 1972 bis 1980.
Der andere, gerne zitierte Vergleich, die Schaubühne am Halleschen Tor, später am Lehniner Platz, gilt nicht wirklich. Zu unterschiedlich war das elitär-revolutionäre Unternehmen von Anbeginn strukturiert, hervorgegangen aus dem Studententheater, dann mit kleinem, feinem Ensemble und Semi-Stagione-Betrieb unter dem Charisma-Stern von Peter Stein und nie direkt vergleichbar einem großen Stadttheater-Tanker mit seinen mehreren hundert Angestellten und dem entsprechenden Verwaltungs- und Technikapparat. Das Schauspiel Frankfurt dagegen war tatsächlich die Probe aufs Exempel: Lässt sich ein deutscher Theater-Hochkulturdampfer bei voller Fahrt umflaggen? Statt einsamem ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Zeitenwende, Seite 36
von Franz Wille
Am 6. Februar 2017 betritt Christine nachmittags einen Supermarkt. Neun Monate war sie trocken. Bei dem Versuch, eine Flasche Wodka aus dem Getränkeregal zu holen, stirbt sie an einer Gehirnblutung. Im Moment ihres Todes lässt Christine ihr Leben Revue passieren. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in der nordenglischen Provinz, träumte sie davon, Rudolf Nurejew zu...
Es gibt gute Gründe, gerade jetzt intensiv mit Theaterautor:innen zusammenzuarbeiten. Viele von uns Autor:innen haben die Krise sehr intensiv erlebt. Damit meine ich nicht nur das Wegbrechen von Einnahmen oder den Verweis mancher Politiker, als Soloselbständige gegebenenfalls «auf die Grundsicherung» – Klartext: auf Hartz IV – zurückzugreifen. Wie man oder frau...
Ich gestehe: Ich habe auch gekocht beim Streaming-Gucken. Zumindest bei meinen eigenen Inszenierungen, wenn ich an den Abenden nicht im Theater war, sondern zu Hause. Dann haben meine Frau und ich den Laptop schon mal in der Küche aufgestellt. Seien wir ehrlich: Eine gestreamte Vorstellung verführt dazu, dass man zwar «reinschaut», aber nicht richtig hinschaut....
