«Nicht reden, einfach weitermachen»

Relektüre nach 40 Jahren: Eine Dokumentation des Frankfurter Mitbestimmungsmodells von 1972 bis 80

Da war doch was. Richtig, ganz links hinten im Keller, dort, wo die alten abgelegten Selbstfeiern von Intendanten (damals in aller Regel männlich) lagern, die sich in dicken Büchern nach fünf Jahren Amtszeit eine «Ära» bescheinigt und in teuren Prachtbänden eingesargt haben, da wartet er geduldig, der einsame, graue Diamant. «War da was?» hieß demonstrativ bescheiden die Bilanz des einzigen ernstzunehmenden Mitbestimmungsversuchs im Theater der alten Bundesrepublik, des Schauspiels Frankfurt am Main von 1972 bis 1980.

Der andere, gerne zitierte Vergleich, die Schaubühne am Halleschen Tor, später am Lehniner Platz, gilt nicht wirklich. Zu unterschiedlich war das elitär-revolutionäre Unternehmen von Anbeginn strukturiert, hervorgegangen aus dem Studententheater, dann mit kleinem, feinem Ensemble und Semi-Stagione-Betrieb unter dem Charisma-Stern von Peter Stein und nie direkt vergleichbar einem großen Stadttheater-Tanker mit seinen mehreren hundert Angestellten und dem entsprechenden Verwaltungs- und Technikapparat. Das Schauspiel Frankfurt dagegen war tatsächlich die Probe aufs Exempel: Lässt sich ein deutscher Theater-Hochkulturdampfer bei voller Fahrt umflaggen? Statt einsamem ...

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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Zeitenwende, Seite 36
von Franz Wille

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