«Nicht reden, einfach weitermachen»
Da war doch was. Richtig, ganz links hinten im Keller, dort, wo die alten abgelegten Selbstfeiern von Intendanten (damals in aller Regel männlich) lagern, die sich in dicken Büchern nach fünf Jahren Amtszeit eine «Ära» bescheinigt und in teuren Prachtbänden eingesargt haben, da wartet er geduldig, der einsame, graue Diamant. «War da was?» hieß demonstrativ bescheiden die Bilanz des einzigen ernstzunehmenden Mitbestimmungsversuchs im Theater der alten Bundesrepublik, des Schauspiels Frankfurt am Main von 1972 bis 1980.
Der andere, gerne zitierte Vergleich, die Schaubühne am Halleschen Tor, später am Lehniner Platz, gilt nicht wirklich. Zu unterschiedlich war das elitär-revolutionäre Unternehmen von Anbeginn strukturiert, hervorgegangen aus dem Studententheater, dann mit kleinem, feinem Ensemble und Semi-Stagione-Betrieb unter dem Charisma-Stern von Peter Stein und nie direkt vergleichbar einem großen Stadttheater-Tanker mit seinen mehreren hundert Angestellten und dem entsprechenden Verwaltungs- und Technikapparat. Das Schauspiel Frankfurt dagegen war tatsächlich die Probe aufs Exempel: Lässt sich ein deutscher Theater-Hochkulturdampfer bei voller Fahrt umflaggen? Statt einsamem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Zeitenwende, Seite 36
von Franz Wille
Hotels – wir kennen sie als Durchgangsräume par excellence, Orte temporären Zuhauseseins, gleichzeitig in ihrer Blütezeit Embleme einer in der Selbstrepräsentanz zu sich gekommenen Gesellschaft. Emre Akal lädt uns in seinem neuen Stück in ein besonderes Exemplar der Gattung ein. Das digital-eskapistische «Hotel Pink Lulu» verspricht genau das zu sein: Durchgangsort...
Vor dem Fernseher sitzt eine Gestalt, die aussieht wie tot. – So beginnt die Regieanweisung der zweiten Szene. – Die Gestalt schaut sich eine uralte Vogelsendung an, in der dieselbe Szene ständig wiederholt wird: Exotische Vögel flattern auf. Neben der Gestalt sitzt «der Bruder». Er ahmt die gleiche tote Erscheinung seines Vaters nach. Die Mutter fegt den Fußboden....
Mein intensivstes Theatererlebnis in dieser unglaublich schweren Spielzeit, die jetzt endlich zu Ende geht, hatte ich nicht im Theater, sondern vor dem Bildschirm. Und mit Bildschirm meine ich in diesem Fall tatsächlich den des Smartphones. Es waren die letzten Momente eines Events des twitch-Streamers Ludwig Ahrgren, das unter dem Namen «Subathon» googlebar ist...
